ReiseBilder | KulturTour | Berlin Kaléidoscope


Auf den Seiten dieser Rubrik finden Sie mittlerweile seit vielen Jahren - lediglich herausgepickt - einen Mix von Mitteilungen, Tipps und Berichten aus dem unüberschaubar gewordenen Veranstaltungsangebot der Stadt. Je nachdem zumeist in einer Vor- oder auch Rückschau auf unterschiedlichste kulturelle Offerten und Ereignisse.


IIIA Exp 686 Gutenberg Objekt | © Stabi Kulturwerk

Lange Nacht der Museen 2022

Mit mehr als 70 Ausstellungshäusern dürfen sich alle Berliner:innen und Gäste am 27. August endlich wieder dazu eingeladen fühlen, die vielfältigen Schätze der Berliner Museumslandschaft auf neue Weise zu entdecken.

Das größte Kulturevent der Hauptstadt – 1997 in Berlin erfunden – wurde aufgrund seines Erfolgs weltweit kopiert und ist längst zur Kultmarke geworden. Auch nach mehr als zwanzig Jahren erfindet sich das Original der Langen Nacht der Museen jedes Jahr wieder neu und begeistert seine Fans ebenso wie erstmalige Besucher:innen. Das zeigen die bisher über eine Million verkaufter Tickets.

So wird man beispielsweise im TimeRide Berlin mit Virtual-Reality-Brillen in das Ost-Berlin der Mauerzeit zurückversetzt, während man im Futurium in die Zukunft reist. Im Museum Berggruen wird vor den Picassos getanzt, im Samurai Museum Berlin eindrucksvoll getrommelt. Das gerade eröffnete Stabi Kulturwerk zeigt außer seiner Schatzkammer mit Gutenberg-Bibel und Bachs h-moll-Messe auch ihre Buchbinderei, die Bildgießerei Noack in Charlottenburg ihre Werkstätten. Weitere Details auf: www.lange-nacht-der-museen.de



Mayu Nihei in der Grundewakdkirche | © Elisabeth Heller

Sommerkonzerte im Jagdschloss Grunewald und Grunewaldkirche

Als eines der führenden Kammerorchester Deutschlands war, ist und wird die Kammerphilharmonie Amadé mit ihrem Dirigenten Frieder Obstfeld auch zukünftig Treffpunkt für hochqualifizierte junge Musiker:innen aus ganz Europa sein. Und so wurden und werden sich nach einem Juli-Auftaktkonzert im Innenhof des Jagdschlosses bei weiteren Klassikkonzerten auch Mayu Nihei und Thomas Demenga in die Herzen ihres Publikums spielen. Weiterführende Details sind abrufbar auf der Website der Kammerphilharmonie Amadé sowie Jagdschloss Grunewald.

Das kurzfristig in die Grunewaldkirche verlegte Serenaden-Konzert am 6. August sollte Künstler:innen wie Publikum nicht unbedingt zum Nachteil gereichen. Denn allein schon die Akustik in dieser Kirche ließ das kleine, aber feine Konzert zu einem wahren Hörerlebnis werden. Und bei Edward Elgars Serenade op.20 schien sich gefühlt geradezu ein Klangteppich über den Köpfen aller Anwesenden auszubreiten. Wunderschön.

Mayu Nihei wurde 1991 in Japan geboren und begann im Alter von fünf Jahren Violine zu spielen. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie an der Musikhochschule in Tokyo, der Universität der Künste in Tokyo und an der Universität der Künste Berlin.

Thomas Demenga gehört als international renommierter Solist, Komponist und Pädagoge zu den herausragenden Cellisten und Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit. Was nicht zuletzt zahlreiche CD-Einspielungen auf eindrucksvolle Weise dokumentieren.



Sophia Nava & Ralph Gleis | Foto: © Elisabeth Heller

Mein Liebermann | Eine Hommage

Der aus einer jüdischen Familie stammende Max Liebermann war eine der prägenden Gestalten im gesellschaftlichen und kulturellen Leben Berlins von der Zeit des Kaiserreichs bis zum Ende der Weimarer Republik. Anlässlich seines 175. Geburtstags am 20. Juli 2022 rückt deshalb die Alte Nationalgalerie mit einer interaktiven Intervention Schlüsselwerke des bedeutenden Impressionisten aus der eigenen Sammlung in den Fokus.

Noch bis November 2022 ist die Ausstellung in der Alten Nationalgalerie geöffnet. Über vor Ort ausgewiesene QR-Codes können Besucher:innen mithilfe des eigenen Smartphons kurze Statements von ganz unterschiedlichen Personen zu jeweils einem Bild auf YouTube abrufen. Parallel dazu lädt eine Videoplaylist auf der Website des Museums dazu ein, am heimischen Bildschirm besagte Videos noch einmal in aller Ruhe anzuschauen.

Video-Playliste zur Ausstellung sowie weitere Hör- und AnschauTipps:




Raumaufnahme | Photochromatische Wand | PF Stabi

1.000 Quadratmeter für Ausstellungen und Workshops

Das im Juli 2022 eröffnete Stabi Kulturwerk macht vielfältiges kulturelles Erbe zugänglich und ist ein Ort des gemeinsamen Entdeckens und Forschens. In der Schatzkammer werden jeweils immer nur für wenige Wochen berühmte Highlights aus den Beständen der Staatsbibliothek zu sehen sein. Damit ist es erstmals möglich, auch die kostbarsten Stücke des Weltkulturerbes aus den Sammlungen der Staatsbibliothek zugänglich zu machen und Einblicke in verschiedene Zeiten, Regionen und Sprachen zu geben.

Eine flexibel nutzbare Fläche ist für tagesaktuelle kulturelle und wissenschaftliche Aktivitäten bestimmt. Neben eigenen Wechselausstellungen wird die Bibliothek dort gemeinsam mit Partnern der Wissenschafts- und Kulturszene ein abwechslungsreiches und zunehmend interaktives Programm bieten. Den Anfang macht ab Mitte August die Ausstellung „Unheimlich fantastisch – E.T.A. Hoffmann 2022“. | Stabi Kulturwerk | Offizielle Website

Zur interaktiven Kartenansicht

Fühlen Sie sich herzlich eingeladen zum virtuellen Spaziergang durch die Ausstellungsfläche der Staatsbibliothek zu Berlin. Und das vorab schon mal hier am Bildschirm von zu Hause aus. Bei Klick auf das Abbild sind Sie dann auch schon mitten drin in einem interaktiven Rundgang, bei dem viele der vor Ort ausgestellten Handschriften und Bücher mittels Links weiterführen zu Themen und Exponaten mit vertiefenden Informationen.



Freifläche "30 kg" in BERLIN GLOBAL | Berlin | © Foto Michael Setzpfandt | Kulturprojekte Berlin & Stadtmuseum Berlin

„30 kg“ – eine "Freiflächen-Präsentation" im Humboldt Forum

Zur Berliner Ausstellung BERLIN GLOBAL gehören auch drei so genannte "Freiflächen". Sie können von Initiativen, Organisationen und freien Gruppen zeitlich begrenzt bespielt werden. Ziel dieses Angebotes ist es, unbekannte, aktivistische und unterrepräsentierte Perspektiven und Themen sichtbar zu machen.

Im Raum „Vergnügen“ reflektieren beispielsweise seit Juli 2022 sieben türkische Berlinerinnen ihre eigene Migrationserfahrung und die Auswirkungen auf ihre Identität anhand des 30 Kilogramm schweren Freigepäcks, das sie bei der Einreise mitnehmen durften. Dieses Gepäck symbolisiert alles, das sie für den neuen Lebensabschnitt in der Fremde mitbringen: einen Koffer voller Dinge, aber auch Erwartungen, Hoffnungen, Erinnerungen und Selbstvorstellungen. Aber: Die persönlichen Utensilien aus der alten Heimat finden in Berlin keine Verwendung mehr, die Muttersprache kennt keine genaue Übersetzung. Als transkulturelle Frauen verhandeln die Protagonistinnen ihren Alltag neu – für manche eine Befreiung, für andere ein Verlust.

Die tiefgreifenden persönlichen Fragestellungen, die sich aus der Migration ergeben, durchziehen wie ein rotes Band das Konzept der dritten "Freifläche" in BERLIN GLOBAL: Auf einer großen Bordkarte wenden sich die Mitwirkenden in einem gemeinsamen Brief an die Besucher:innen. Sie verweisen darauf, dass jede/r gewissermaßen selbst Migrant:in ist, und laden ein, über das Veränderliche der eigenen Identität nachzudenken. Weitere Details zur Koproduktion zwischen Kulturprojekte Berlin und dem Stadtmuseum Berlin: „30 kg” | Ausstellung von Burcu Argat und Izim Turan



Anja Schaluschke & Fabian Lenczewski am runden Tisch der Telefone | Foto: © Elisabeth Heller

Kuriose Kommunikation

Ungewöhnliche Objekte und Geschichten aus der Sammlung des Museums für Kommunikation Berlin sind ab 1. Juli 2022 in einer kleinen, aber deshalb nicht minder interessanten Kabinettsausstellung dort zu sehen. Ob nun Telefone in Form eines Klaviers oder Duschkopfs, eine Briefmarke, die sich mit einem Plattenspieler abspielen lässt, ein Bierdeckel, der als Postkarte verschickt wurde oder eine Jeansjacke, mit der sich das Smartphone steuern lässt – wenn Menschen Nachrichten übermitteln wollen, wurden und werden sie kreativ.

150 Jahre Sammeln, Bewahren und Vermitteln

Besagte Objekte und Geschichten aus der Sammlung bildet gleichermaßen den Auftakt zum Jubiläumssommer 2022: Die Sammlungen der Museumsstiftung Post und Telekommunikation feiern 150 Jahre Bestehen. Am 24. August 1872 wurde die Gründungsurkunde für das heutige Museum für Kommunikation Berlin gezeichnet. Ziel der Sammlung war schon damals, globale Kommunikationsgeschichte erfahrbar zu machen. Das Ergebnis von wechselvollen 150 Jahren Sammlungstätigkeit, die Generalpostdirektor Heinrich Stephan 1872 initiierte, ist die größte und reichhaltigste Sammlung zur Geschichte der Kommunikation. Stephan hatte ein Gespür für Sprunginnovationen, deren Entwicklungen er förderte und deren Objekte er sammeln ließ. Und er wusste: Techniken der Kommunikation wandeln sich stetig. Dieser Überzeugung ist die Museumsstiftung Post und Telekommunikation mit seinen Museen in Berlin, Frankfurt und Nürnberg sowie dem Archiv für Philatelie in Bonn durch Sammeln, Bewahren und Vermitteln bis heute verpflichtet. HörTipp: 150 Jahre Museum für Kommunikation | Jubiläumsaktionen des MfK im August 2022 || Das Radio in der Nussschale und andere Objektgeschichten



"Der König tanzt" | Foto © Angela-Kroell

Das mit dem OPUS KLASSIK ausgezeichnete Kinderopernhaus Berlin gehört zum Herzstück der Educationarbeit an der "Staatsoper Berlin". Mit seinen Aktivitäten gibt das Kinderopernhaus Grundschulkindern vielfältige Möglichkeiten, um Musiktheaterwerke aus ihrer eigenen Perspektive zu gestalten und aufzuführen. Und so erschaffen erschaffen Berliner Schüler:innen nunmehr seit über einem Jahrzehnt zusammen mit Profis der "Staatsoper Berlin" spannendes Musiktheater.

Mit dem Stück "Der König tanzt", das die beteiligten Kinder aus viel Spielfreude und Kreativität heraus gemeinsam mit einem künstlerisch-pädagogischen Team entwickelt haben, war es für das Lichtenberger Kindernopernhaus nach der Pandemie selbstverständlich eine ganz besondere Freude, Ende Juni 2022 gleich drei Mal Zuschauer:innen ab 6 Jahren seine mittlerweile zwölfte Produktion - dieses Mal in Kooperation mit der Schostakowitsch-Musikschule - im Kulturhaus Karlshorst präsentieren zu können:

Weitere Details zum Kinderopernhaus Berlin auf der Website der Staatsoper || Impressionen | Fotos © Angela-Kroell:

»Es führt über den Main eine Brücke von Stein …« In dem mittelalterlich anmutenden Lied der Hindemith-Schülerin Felicitas Kuckuck geht es um eine ganz besondere Brücke, deren Geschichte im Stück weitererzählt wird. Wer immer sie betritt, muss tanzen und vergisst dabei seine Sorgen – zum Missfallen des Königs, der die wunderbare Brücke mit einem Fluch belegt, so dass sie nicht mehr betreten werden kann. Das Land ist plötzlich in zwei Hälften geteilt, und der habgierige König beutet Land und Leute aus.



Impressionen | © Elisabeth Heller

200 Jugendliche aus ganz Deutschland strömten am 20. Juni 2022 in ein Haus, in dem Ausstellungen, Labs zum Ausprobieren und regelmäßig denk- und wünschbare Zukunftsentwürfe vorgestellt und diskutiert werden. Wie aber passt in dieses "Futurium" eine Preisverleihung eines bundesweiten Jugendwettbewerbes zum Thema „Umbruchszeiten. Deutschland im Wandel seit der Einheit“? Der Moderator Mirko Drotschmann - auch bekannt als MrWissen2go - brachte es mit seinen Worten auf den Punkt, als er sinngemäß bei seiner Begrüßung darauf verwies, dass nur dann, wenn man die Vergangenheit wirklich kennt, man erst die Gegenwart und Zukunft richtig gut gestalten kann. Und mit der Vergangenheit beschäftigten sich zur Genüge insgesamt fast 750 Jugendliche aus 13 Bundesländern Deutschlands. Das zeigten letztendlich die 152 eingereichten Wettbewerbsbeiträge zum Thema „Jungsein in Umbruchszeiten“ auf besonders beeindruckende Weise in Form von Podcasts, Filmen, Spielen und Tagebüchern.

„Die kreativen, hoch interessanten und gut recherchierten Beiträge zeigen, wie lebendig und prägend die Erfahrungen der Transformation nach 1989/1990 bis heute sind. Es ist toll zu sehen, wie sich junge Leute mit einer Zeit auseinandersetzen, die sie selbst nicht erlebt haben und die sie vor allem aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern kennen, die aber für einen großen Teil unserer Gesellschaft bis heute prägend sind.“ Zitat: Dr. Anna Kaminsky, Direktorin der Bundesstiftung Aufarbeitung

Ins Leben gerufen wurde der Jugendwettbewerb vom Beauftragen der Bundesregierung für Ostdeutschland sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Preisverleihung wurde am 20.6.2022 live übertragen aus dem Berliner "Futurium":

Willkommen im "Futurium"

Pressekonferenz | © Kulturprojekte Berlin, Carolin Kralapp

KULTURSOMMERFESTIVAL 2022

Die Idee des Kultursommerfestivals war und ist: kulturelle Veranstaltungen kostenlos, einfach zugänglich zu machen, die Leute von der Couch zu locken und Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen, und das am besten in der direkten Nachbarschaft.

Bei der Eröffnung am 18. Juni scheint die Idee zumindest schon mal aufgegangen zu sein mit einem fulminanten Open-Air vor der Kulisse des historischen Flughafens Tempelhof. Denn bei Musik von DJ's und Bands feierten 10.000 Menschen und tanzten zum spektakulären Höhepunkt in den Sonnenuntergang hinein. Die Licht- und Musikperformance der Compagnie Off, deren Show Color Wheels in Deutschland an diesem Abend Premiere feierte, sorgte dabei für Begeisterung. Genauso wie das inzwischen traditionelle Live-Konzert der Staatskapelle Berlin - tags drauf und endlich wieder - auf dem Bebelplatz. Dirigiert wurde das Konzert mit Standing Ovations von Daniel Barenboim.

Um unterschiedlichste Zielgruppen zu erreichen, wurden im Vorfeld zahlreiche Kulturpartner eingeladen, je einen Tag oder Abend mit Kulturprogramm zu füllen und Open-Air zu präsentieren. Gemeinsam mit 90 ganz großen und kleinen Partnern ist somit ein Programm entstanden, welches das Kultursommerfestival so bunt und vielfältig macht wie Berlin selbst. Dabei sind kleine neben großen Einrichtungen, in öffentlicher wie privater Trägerschaft, traditionsreiche Institutionen und junge Vereine. Der Friedrichstadtpalast beteiligt sich genauso wie die Fête de la Musique, die Staatskapelle ist dabei, aber auch das Peace x Peace-Festival, die Kommunalen Galerien, der CSD und der Tierpark. Weitere Details zu: 90 Tage | 90 Events | UMSONST & DRAUSSEN | Überall in Berlin



Museum Knoblauchhaus | © Elisabeth Heller

Berliner Salon – Humboldt, Schinkel und Familie Knoblauch

Das Knoblauchhaus gehört zu den wenigen erhaltenen Berliner Bürgerhäusern des 18. Jahrhunderts in Berlins Mitte. Dereinst wirkten darin Karl Friedrich Knoblauch und sein Sohn Carl als Seidenbandfabrikanten, Seidenhändler und Berliner Stadträte. Der Architekt und Schinkel-Schüler Eduard Knoblauch entwarf die neue Synagoge in der Oranienburger Straße. Armand Knoblauch gründete 1868 das "Böhmische Brauhaus".

Viele Jahre lang war es ein Treffpunkt für Familienfeste und ein Ort gesellschaftlicher Aktivitäten. Seit 1989 ist das Knoblauchhaus als Museum öffentlich zugänglich und seit 1995 Teil der Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Nach über zwei Jahren pandemiebedingter Schließung eröffnete das Museum Knoblauchhaus am 1. Juni 2022 endlich wieder seine Türen und präsentiert seither erstmals mit dem „Berliner Salon“ einen völlig neuen Ausstellungsbereich, der dem preußischen Stararchitekten Karl Friedrich Schinkel und den berühmten Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt gewidmet ist. Dabei geht es um die Kommunikationsnetzwerke der sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasant entwickelnden Stadt hin zur Metropole.

Auch wenn die Dauerausstellung natürlich vorrangig analog erkundet werden kann, bietet ein exklusiver 360°-Rundgang im Netz zusätzlich Chancen, in aller Ruhe die eine oder andere Info wiederholt anhören, anschauen oder weiterführende Weblinks verfolgen zu können.




Die arabische Nacht | Credits: Gianmarco Bresadola

LINDEN 21 umfasst all die Produktionen und Projekte des Spielplans der Deutschen Staatsoper, die nicht den »klassischen« Modalitäten des Darbietens und Rezipierens folgen, sondern ganz bewusst nach neuen Formen suchen. Kammeropern sind hier ebenso dabei wie inszenierte Konzerte und Stückentwicklungen oder eine »Performance« mit Elementen von Musiktheater und Tanz. Erinnert sei in dem Zusammenhang an das einzigartige Stück auf großer Bühne mit dem Titel "HIMMELERDE" im Jahr 2019.

LINDEN 21 steht auch nach Corona weiterhin für das »Andere« und Ungewöhnliche. Genauso wie Christian Josts Kammeroper DIE ARABISCHE NACHT – eine 2022er Neuproduktion - inszeniert von Marcin Łakomicki. Präsentiert nicht auf großer Bühne, sondern erstmals auf der Probebühne 1 des Intendanzgebäudes. Besonders faszinierend darf dabei die ungewöhnliche Nähe des Publikums zu den Protagonist:innen empfunden werden. Eine Nähe, die mitunter - wenn auch nur ab und an für Momente - an das außergewöhnliche interaktive Musiktheaterprojekt "Schnittstelle Figaro" der Jungen Staatsoper Berlin aus dem Jahr 2010 erinnert.

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Momentaufnahme | © Elisabeth Heller

Vermittlung von Zeitgeschichte der etwas anderen Art

Im Deutschen Historischen Museum in Berlin ist es nach 33 Jahren erstmals möglich, die Leipziger Montagsdemo vom Herbst 1989 digital "nachzuerleben". Möglich macht das ein Angebot von Spieleentwickler:innen, die damit die Hoffnung verbinden, insbesondere junge Menschen noch besser als bisher an historische Ereignisse heranzuführen. Ob das letztendlich gelingt, werden die "Test-Rückmeldungen" der Spielenutzer:innen vor Ort noch bis 27. März '22 zeigen.

Aktuelle Informationen zum Besuch | Gamestation | Leipzig ’89 – Revolution reloaded

Passend dazu zwei Beiträge des MDR: Computerspiel zur Leipziger Montagsdemo '89 || DHM Berlin: Die Leipziger Montagsdemo von 89 gibt es jetzt als Computerspiel



Sich ein Bild machen, eine Anschauung haben, macht uns zu Menschen. Kunst ist Sinngebung, Sinngestaltung, gleich Gottsuche und Religion. Zitat: Gerhard Richter

Anlässlich des 90. Geburtstages von Gerhard Richter zeigt die Kunstbibliothek in der Berliner Neuen Nationalgalerie erstmals die Künstlerbücher des Malers in einer großen Überblicksausstellung. Die Bücher, für die Richter immer auf eigene Bildmotive zurückgriff und mit abstrakten Verfahren experimentierte, sind für das Verständnis seiner Arbeit und sein Selbstbild als Künstler unverzichtbar. Mit Werken aus der Sammlung der Kunstbibliothek, der Nationalgalerie und dem Kupferstichkabinett sowie Leihgaben des Gerhard Richter Archiv der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und des Verlags der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln, gibt die Ausstellung einen einzigartigen Einblick in die Gedankenwelt des Künstlers: Berliner Sonderausstellung vom 10. Februar bis 29. Mai 2022 in der Neuen Nationalgalerie



Momentaufnahme | © Elisabeth Heller

Die nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield erbaute James-Simon-Galerie in Berlin bildet zusammen mit der Archäologischen Promenade das Zentrum der Museumsinsel. Und genau dort wird noch bis März 2022 eine beeindruckende Sonderausstellung präsentiert:

Iran. Kunst und Kultur aus fünf Jahrtausenden

Erstmals steht die Kulturgeschichte des Iran – von den frühen Hochkulturen bis zur Neuzeit – im Mittelpunkt. Besucher*innen nehmen an einer Zeitreise teil, die durch das reiche kulturelle Erbe des Landes führt. Gezeigt werden rund 360 Objekte der Sarikhani Sammlung, London zusammen mit Exponaten der Staatlichen Museen zu Berlin. Sie bezeugen die herausragende Bedeutung des Iran als Impulsgeber, Schmelztiegel und kulturellem Motor zwischen Afrika, Asien und Europa. Im Iran entwickelte sich über Jahrtausende hinweg eine faszinierende Kulturlandschaft. Zwischen Wüsten, Bergketten und Gewässern war die Region Heimat großer historischer Zivilisationen. Erstaunlicherweise sind seine künstlerischen Errungenschaften jenseits der Fachwelt weitgehend unbekannt. Weiterführende Weblinks zu weiteren Ausstellungsdetails:




© Monika Rittershaus

Die Komische Oper Berlin lädt leider nur noch im Dezember des Jahres 2021 ein zu einer schamlosen, witzigen und frivolen Inszenierung! Die Rede ist von

Orpheus in der Unterwelt

Angeführt von Max Hopp als John Styx, der wirklich jeder Figur auf der Bühne nicht nur seine Sprechstimme in deutscher Sprache leiht, sondern auch sämtliche Geräusche damit "produziert". Gesungen wird vom spielfreudigen Ensemble in französisch Sprache. Für all jene, die nicht vor Ort sein können oder konnten, zumindest ein paar Eindrücke und Informationen über jeweils weiterführende Weblinks:




Kuratorin Miriam Kurz | Foto: © E. Heller

Musik und Zugehörigkeit zwischen der Türkei und Deutschland von 1961-2021

Anlässlich des 60. Jahrestages des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Türkei am 30. Oktober 2021 zeigt das Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum die Musikausstellung "Gurbet Şarkıları – Lieder aus der Fremde".

Die Ausstellung macht unterschiedliche Perspektiven der sogenannten Gastarbeiter*innen und nachfolgender Generationen sichtbar, indem sie sich dem Verhältnis zwischen Musik, individuellen Biographien und gesellschaftlicher Verortung widmet. Damit ist sie ein ganz wunderbares Beispiel für musisch-kreative Biografiearbeit, die sich über Musik großen persönlichen und gesellschaftspolitischen Fragen annähert. Bitte weiterlesen: Gurbet Şarkıları – Lieder aus der Fremde ( Sonderausstellung vom 12.11.2021 bis 20.02.2022 )





Weitere Empfehlungen

Das Berliner Buchstabenmuseum ist das erste Museum weltweit, das Typografie aus dem öffentlichen Raum sammelt und als Teil der Stadtgeschichte präsentiert.

Foto: © Elisabeth Heller

Das macht es u. a. möglich, dass gleich mehrere "K"s aus dieser außergewöhnlichen Sammlung von nun an den Eingang zum Stabi Kulturwerk zieren. Aber damit nicht genug. Auch der blaue Fisch der ehemaligen Leuchtreklame „Zierfische“, die einst ein Aquariengeschäft in Berlin Friedrichshain schmückte, rankt aus dem Springbrunnen im Hof der Staatsbibliothek.




Foto: © EH

Fabian Lenczewski als Co-Kurator der Ausstellung "Kuriose Kommunikation" im Berliner Museum für Kommunikation bei der Präsentation des "Mini-Radios in einer Nussschale". Eines der kuriosesten Objekte in den Sammlungen wie im gleichnamigen Buch zu erfahren. Es ist ein Bastler-Apparat, der von einem Enthusiasten dieser Technik in ihrer Frühzeit in den 1920er Jahren hergestellt wurde | LeseProbe




Come out and play! Kommt raus und macht Musik am 21. Juni in Berlin: FÊTE DE LA MUSIQUE 2022




Wir sind von hier. Türkisch-deutsches Leben 1990. Fotografien von Ergun Çağatay | 8. Juli 2022 – 7. Februar 2023

Ein Ausstellungsprojekt des Ruhr Museums, Essen in Kooperation mit dem Goethe-Institut, Istanbul, dem Museum für Hamburgische Geschichte und dem Museum Europäischer Kulturen – Staatliche Museen zu Berlin | Das Magazin „Wir sind hier.“ erschien anlässlich des 60. Jahrestags der Unterzeichnung des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens




Das Stadtmuseum Berlin sammelt Ihre Fotografien und Geschichten aus dem Leben im Berlin des Jahres 2022: Berlin 2022 | Sammlungsaufruf „Berlin jetzt!“




Die Rolle der Museen in der Gesellschaft der DDR und in der historisch-politischen Bildung spielte in der Aufarbeitung der SED-Diktatur bisher nur eine Nebenrolle. Gerne wird im Ost-West-Vergleich auch nach über 30 Jahren Wiedervereinigung noch das Bild von der „Mauer“ im Kopf bemüht. Gilt das auch für die beiden Museumslandschaften? Welche Standards in Restaurierung und Museumspädagogik gab es in Ost und West und was hat sich durchgesetzt? Am Beispiel des Vorderasiatische Museums soll gezeigt werden, wie das Museum bzw. seine Mitarbeitenden in der DDR agiert haben: Die Rolle der Museen in der Gesellschaft der DDR