MediaBox | LeseBuch


Unter dieser Rubrik finden Sie LeseTipps für unterschiedlichste Publikationen als Anreiz dafür, neugierig und selbst cre-aktiv zu werden oder selbst zum Stift zu greifen.


Ergänzend zum Buch: "Konzerthaus 200"

Alles bleibt anders

2021 feierte das Konzerthaus Berlin sein 200 jähriges Bestehen. Seither verweist das Haus auf seinem YouTube-Kanal u. a. auch auf einen wunderbar animierten Comic-Band, in dessen Mittelpunkt die bewegte Geschichte des von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Konzerthauses seit seiner Eröffnung als Schauspielhaus 1821 wieder lebendig wird. Mit seinem Buch vermittelt der Berliner Felix Pestemer aber nicht nur die wechselvolle Geschichte des Gebäudes, sondern wirft auch Schlaglichter auf die deutsche Geschichte, die sich oftmals direkt vor der Haustür abspielte.

Auf Seite 70 erinnert der Autor nicht zuletzt an die sogenannten "Wartegemeinschaften" davor, die sich innerhalb derer untereinander ablösten. Tage- und nächtelang standen insbesondere im Jahr des 750 jährigen Stadtjubiläums Musikbegeisterte für Karten an, um prominente Künstler:innen aus aller Welt erleben zu können. So ganz nebenbei setzte bereits Heiner Carow im DEFA-Spielfilm "Coming Out" diesen Menschen ein Denkmal.

Weitere Details zum Comic-Band von Felix Pestemer auf der Website des Avant Verlages

In dem Zusammenhang auch der Hinweis auf einen Buch-Band von Werner Nehrlich. In "Wie von Schinkels eigener Hand" stellt er mehr als 300 bildkünstlerischen Werke vor, untersucht ihre Herkunft, Entstehung, ihre Ikonografie und sucht jeweils die Bezüge zum Schinkel-Original. Die Schöpfer dieser restaurierten, rekonstruierten und neu geschaffenen Kunstwerke werden in Kurzbiografien gewürdigt. Details auf der Website der Edition Schwarzdruck



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FAME | Filmen als Methode

Film, Fernsehen und Video sind seit vielen Jahren vorherrschende Alltagsmedien und Selbstproduktionen längst Bestandteil der Gesellschaft. Denn eine Videoproduktion war, ist und bleibt nach wie vor eine spannende und ansprechende Möglichkeit, um an die Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen anzuknüpfen und Emotionen, Interessen, einzelne Fragestellungen, aber auch Probleme, Ängste oder Konflikte zu thematisieren, zu fokussieren und dann zu visualisieren.

Und das Wunderbare daran: Ein Filmprojekt ist und bleibt für Menschen jeden Alters geeignet, in der Pädagogik, Resilienzförderung und Ressourcenarbeit, perfekt für Workshops, Gruppenarbeit, Einzelcoachings, aber besonders auch im Schulunterricht. Zumal durch den immer leichteren Zugang zu passender Technik - Handy, Fotoapparat mit Videofunktion, Camcorder und Schnittprogrammen - sich eine Filmproduktion in und für Gruppen schnell und effektiv einsetzen lässt.

Die Herausgeberinnen des Filme-Machen-Mutmach-Buches und bildreichen „Lese-Arbeitsbuches“, Sissi Kaiser und Juliana Neuhuber, bleiben davon überzeugt, dass das Machen von Filmen am besten durch gemeinsames Ausprobieren, Anschauen und Analysieren gelernt wird. Außerdem bekommen an einem solchen Projekt Beteiligte endlich auch mal ein Gefühl für den Aufwand an Zeit und Planung für ein solches Medium. Dabei lernen sie noch mal neu „zu sehen“, erfahren, was „dahinter steckt“, wie Inhalte „verpackt“ werden und welche Tricks mitunter auch zum Einsatz kommen können.

Auch wenn dieses Lust auf Filme machende Sachbuch bereits zahlreiche praktische Tipps enthält, führt ein auf dem Buchdeckel aufgedruckte QR-Code direkt zur Website von "Traum & Wahnsinn und FAME", auf der dann auch die Buchinhalte detaillierter tatsächlich um ein Vielfaches greifbarer und verständlicher werden: Website zum FAME * Sachbuch | Und bitte los | Verlag kopaed



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Um in euch das Feuer zu entfachen

Der gewählte Buchtitel geht übrigens auf Josephine Baker zurück. Stephanie Zibell dazu: "In einer im Jahr 1963 gehaltenen Rede forderte sie junge Menschen auf, sich gegen jede Form der Diskriminierung und Ausgrenzung zur Wehr zu setzen. Aber nicht mit Gewalt, sondern mit der Kraft und der Macht des Wortes. Das ist auch mir wichtig ist: Mit der Kraft und der Macht des Wortes ein Feuer im Herzen der Leserschaft zu entfachen." Gelingen dürfte das der Buchautorin mit wieder gegebenen Redeauszügen und geführten Gesprächen mit 50 portraitierten Frauen ganz sicher.

Julia Meyn fragt weiter in einem Interview: "Wer sollte Ihr Buch lesen? Was möchten Sie damit erreichen?" Stephanie Zibells Antwort: "Mein Ziel ist es, nicht nur interessante und wichtige Rednerinnen und ihre Reden vorzustellen, sondern diese Reden in einen zeitlichen und thematischen Kontext einzubinden. Dadurch wird es der Leserschaft möglich, Veränderungen in Bezug auf die Ansprüche, Wünsche und Ziele von Frauen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte zu erkennen. Wer diesen Gedanken überzeugend oder zumindest interessant findet, der sollte das Buch unbedingt lesen."

Julia Meyn: "Eignet sich Ihr Buch auch für Männer?" Stephanie Zibells Antwort: "Aber selbstverständlich! Schließlich geht es in dem Buch nicht nur um frauenspezifische, sondern auch um Themen, wie die Frage von Krieg und Frieden, mit der sich einige der hier vorgestellten Frauen befasst haben. Das ist zweifellos ein Thema, das nicht nur Frauen, sondern vor allem Männer betrifft. Der gegenwärtig in der Ukraine tobende Krieg hat das noch einmal verdeutlicht." Zum vollständigen Interview

Weitere Details samt Klappentext auf der Website des herausgebenden S. Marix Verlages | Verlagshaus Römerweg

HörTipp: Gespräch mit Stephanie Zibell bei Radio Bremen zum Buch:



Alles muss raus | Notizen vom Rand der Welt

Mit so ganz anderen Reisereportagen begibt sich Thilo Mischke auf die Suche nach Antworten auf einige große Fragen.

Als Journalist hat Thilo Mischke weit über hundert Länder dieser Welt bereist. Es ist dabei nicht der Reiz des Extremen, der ihn in die entlegensten Ecken treibt, sondern sein offener Blick für Menschen und ihre Geschichten, ja ein unersättlicher Hunger auf Lebenserfahrung. Egal, ob er in El Salvador dem Tod ins Auge blickt, Freundschaft in den Weiten Islands erfährt oder ukrainische Soldaten trifft: In seinen Schilderungen aus den grausamsten und unwirtlichsten Regionen der Welt wird das Fremde plastisch. So erscheint im Spiegel des Unbekannten die eigene Realität in neuem Licht. Und weil Thilo Mischke unerträglich tolerant auf seinen Reisen ist, ist am Ende klar, wie aufregend, herausfordernd und vielfältig die Welt ist – aber nirgendwo schwarzweiß.

Der Reporter, Globetrotter, Abenteurer und Autor Mischke widmet sich dabei in seinen eindrücklichen Reiseberichten aus aller Welt den ganz großen Themen: der Liebe, dem Altwerden, der Religion, der Familie, dem Tod, den Drogen, der Freundschaft. Mit seiner eleganten Prosa, seiner Beobachtungsgabe und seiner Lust an der Grenzerfahrung schärft er den Blick auf die Welt vor, über und in uns.

HörTipps: "Alles Muss Raus" - Lesung aus dem Pfefferberg Theater im März 2022 | HörBuch-Stream bei Spotify | Website: Droemer-Verlag

Thilo Mischke wurde 1981 in Berlin geboren. Er arbeitet als Journalist, Autor und Fernsehmoderator u.a. für die ZEIT und Berliner Zeitung. Daneben ist er Host des reichweitenstarken Podcasts Uncovered und steht für eine gleichnamige Reportagereihe bei Pro7 regelmäßig vor der Kamera. Für seine journalistische Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, so gewann er 2020 einen Bayerischen Fernsehpreis und wurde in der Kategorie "Reportage national" bei der Wahl zum Journalist des Jahres ausgezeichnet.



»Fahr in die Welt hinaus. Sie ist fantastischer als jeder Traum.« Ray Bradbury

Diesen Satz würden insbesondere Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier jederzeit bestätigen wollen. Zu zweit brachen sie im Frühjahr 2013 mit dem Vorsatz, nicht zu fliegen, zu einer Reise um die Welt auf. Voller Erfahrungen kehrten sie nach 100 000 Kilometern zu dritt im Sommer 2016 mit der Gewissheit zurück, dass die Phantasie geht, wenn die Erfahrung kommt: Weit um die Welt

Auch wenn nicht allen vergönnt bleibt, solch' eine Reise zu machen oder gar dem Rat des Dalai-Lama zu folgen, der empfiehlt, jedes Jahr einen Ort aufzusuchen, an dem man niemals zuvor gewesen ist, vermag Katharina Koppenwallner mit ihrem Buch "Souvenirs . 50 Dinge, die es hier nicht gibt" daheim Gebliebene - wenn auch nur indirekt - auf eine Reise der etwas anderen Art mitzunehmen. Denn allemal sind es die Geschichten über gesammelte Souvenirs wert, erzählt zu werden. Erinnern sich dabei Leser:innen mitunter wieder an eigene Mitbringsel, zu denen es auch was zu erzählen gibt?

»Jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte - wenn man weiß, wie man ihn lesen kann.« Henry Ford

Nummeriertes Geschichten-Verzeichnis

Wie Katharina Koppenwallner in der Geschichte "46" zu berichten weiß, wären die amerikanischen Nationalschuhe ohne Einwanderer heute vielleicht nur öde braune Stiefel, die niemals mit der Sonne um die Wette funkeln würden. Bei Tanzwettbewerben werden regelmäßig mit viel Tamtam die schönsten und längsten "Pointy Boots" - siehe Buchcover - prämiert. Und obwohl das eigentliche Zuhause der glitzernden Rodeo-Boots Mexiko ist, gibt es in Amerika mehr Pointy- Boot-Träger als dort, was natürlich an den mexikanischen Einwanderern liegt. Viele von ihnen arbeiten in den amerikanischen Cowboyschuh-Manufakturen im Südwesten.

Weiteres in einem DW-Video sowie auf der Website von "Kein & Aber"



In seinem Buch "Session" lädt der Schriftsteller Jürgen Jankofsky zu einer so ganz anderen Weltreise ein. Selbst geboren in einem Land, von dem aus die Welt nur schwerlich zu ergründen war, besuchte er nach dem Mauerfall endlich all seine Sehnsuchtsorte nicht mehr nur auf dem Papier. Zumindest so lange, bis Corona über uns alle hereinbrach. Aber auch diese lang erzwungene Ruhe wusste der Autor durchaus zu nutzen. Mit dem Ergebnis, dass nach einer intensiven Beschäftigung mit seinem riesigen Musikarchiv samt vieler Konzertfilme, mit seinen tausenden Urlaubsfotos und Notizen letztendlich 111 Anekdoten, Glossen und Stories Platz zwischen zwei Buchdeckeln fanden.

"Flügge werdend, begann ich nach dem Sinn des Lebens zu suchen und fand mich immer wieder in Songs - offenbar, da andere Leute ähnlich unterwegs waren." Zitat des Autors, Seite 9

Wen wunderts ob dieser Tatsache, dass sich der Musiker wiederholt zu den Großen und Wagemutigen der Musikgeschichte in Verbindung setzt/e: zu den Klassik-Göttern, genauso wie zu den Riesen und Geheimnisvollen des Rocks - von den Beatles und Stones über Pink Floyd und Genesis bis zu ZZ Top. Sie alle gehören längst zum Soundtrack seines Lebens - möglicherweise aber auch - je nach Alter - zu denen vieler Leser:innen.

"Für optimales Textverständnis jeweils die entsprechenden Musikstücke hören!" so der Rat des Autors. Dem ist leicht Folge zu leisten durch Anklicken der eigens von Jürgen Jankofsky erstellten Playlist "Session. 111 Gigs weltweit".

"Session" - ein multimediales Angebot, welches größtes Vergnügen bereitet.

In dem Zusammenhang noch die "cre-aktive" Empfehlung, dem Schriftsteller aus Merseburg/Leuna selbst zuzuhören. Möglich macht das der MDR auf seiner Website. Dort unterhielt sich Carsten Tesch bereits vor Erscheinen des Buches am 22.05.2021 mit Jürgen Jankofsky, der bis dahin bereits 50 Bücher veröffentlicht hatte. Sein Kinderbuch "Anna Hood" wurde bereits in 19 Sprachen übersetzt.

MDR Kultur trifft | Details auf der Website des Mitteldeutschen Verlages sowie auf der Website von Jürgen Jankofsky auf dessen Website.



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Vom Wert der Kulturellen Bildung in Krisen

Die Herausgeber:innen des Buches "Kultur.Spiel.Resilienz" nehmen die Corona-Pandemie zum Anlass, wertvolle Erfahrungen und Handlungsempfehlungen von 48 bundesweit und international aktiven Expert:innen in Theorie und Praxis zusammenzutragen, die sich schon seit mehreren Jahren mit Kultur, Spiel und Resilienz beschäftigen.

Uns allen ist nicht neu, dass Kinder und Jugendliche, die sehr früh Zugang zu Kultureller Bildung erhalten und in kulturell-kreativen Tätigkeiten Selbstwirksamkeit erfahren, im späteren Leben viel selbstbewusster mit individuellen und gesellschaftlichen Krisen umgehen können. Nur mangelt es nach wie vor noch an Angeboten, um diese Erkenntnis auch realer werden zu lassen.

Im Buch zitierte Psychologen wissen von den sieben Säulen oder Schlüsseln der Resilienz zu sprechen: Akzeptanz, Optimismus, Selbstwirksamkeit, Verantwortung, Netzwerkorientierung, Lösungsorientierung, Zukunftsorientierung und -planung. Viele davon hängen immer auch ganz eng mit Faktoren der Glücksforschung zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.

Stellt sich die Frage, ob Mensch lernen kann, glücklich zu sein? Können evtl. schon selbst glückliche Erwachsene Kindern zu Perspektivenwechseln verhelfen oder sie zu Bewusstsein und Ausleben der eigenen Stärkenbefähigen befähigen können? Fragen über Fragen zum Thema, aber auch Antworten, die sich beim Praktizieren der zahlreich gegebenen Anregungen finden lassen. Beispielsweise beim Erstellen eines "Dankbarkeits-Alphabets und Pflegen eines Dankbarkeitstagebuches". Dabei erfahren die Kinder, wie viele Dinge es gibt, für die man dankbar sein kann, wenn man erst einmal danach sucht. Insbesondere mit dem Dankbarkeitstagebuch bekommen sie ein Werkzeug in die Hand, diese Haltung auch nach einem gemeinsamen Kurs weiter zu trainieren. Beim Spiel mit der "Weltsicht-Brille" lernen Kinder, dass es immer ganz verschiedene Perspektiven auf Lebensereignisse geben kann und es jedem selbst obliegt, für welche Sicht man sich jeweils entscheiden möchte. Weitere Details zum Buch auf der Website des Kopaed Verlags



Wechseljahre

Im Spiel mit der "Weltsicht-Brille" können schon Kinder lernen, dass es immer ganz verschiedene Perspektiven auf Lebensereignisse geben kann. Da stellt sich die Frage, warum es bis heute zur "Deutschen Wiedervereinigung" scheinbar trotzdem nur eine dominierende Sicht zu geben scheint. Denn dreißig Jahre ist Deutschland mittlerweile wieder eins, aber vereint ist es noch nicht.

Der Literaturkritiker Michael Hametner unternimmt daher einen Streifzug durch die an Missverständnissen reiche Geschichte der deutschen Einheit in Literatur und Bildender Kunst. Dabei hat er viele trennende Geschichten gefunden. Sie sollen dem Glücksfall der deutschen Einheit nicht widersprechen. Aber ein Beitritt ist nun mal keine Einigung. Oft liegen Ursachen für das Uneinssein in den ersten Jahren der deutschen Einheit.

Ob deutsch-deutscher Literatur- und Bilderstreit oder verunglückte »Vereinigungen« von Künstlerverbänden und Akademien: Viele Beispiele zeigen, wo Ostdeutschen Wunden geschlagen wurden, die noch immer nicht verheilt sind. Auf der Suche nach Gerechtigkeit bei der Deutschen Einheit geht der Autor fünf prominent besetzten "Störfällen" in der Literaturszene seit 1990 nach, betrachtet die Ausstellungen, an denen Ex-DDR-Künstler beteiligt waren und fragt, warum es immer noch keinen gemeinsamen Kanon deutscher Kunst gibt. Dabei liefert Hametner keine trockenen Auf- oder Abrechnungen, sondern persönliche Blicke eines Autors, der Teil dessen ist, worüber er schreibt.

Erst wenn alles gesagt ist, ist die Hoffnung groß, die deutsche Einheit in den nächsten Jahren zu vollenden. Und so ist schließlich nicht nur von anhaltenden Beschwerden, sondern auch von Zuversicht zu lesen. Weiteres zum Buch auf der Website des Mitteldeutschen Verlags


Zeitzeuge Walter Vorwerk über sein Buch "Im Windkanal"

Wenn man mein Buch zur Hand nimmt, fällt zuerst das Cover-Bild auf, ein Gemälde des 92-jährigen Greifswalder Malers Prof. Manfred Prinz. Ich hatte ihn, der eigentlich Landschaftsmaler ist, gefragt, ob er nicht Lust hätte, zu meinem Buch das Cover-Bild zu gestalten. Er sagte zu. Davor hatte ich im Internet ein wunderbares Foto eines Windkanals vom Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) entdeckt und dort angefragt, ob ich das Bild – natürlich unter Quellenangabe – für mein Buch verwenden könne. Es kam eine Ablehnung, weil sich das Buch nur allegorisch mit der Wirkungsweise des technischen Labors Windkanal beschäftigen würde … Nun gut, diesen Gegenwind habe ich verkraftet und dafür die jetzige Lösung gefunden.

Am Anfang stand der Buchtitel, denn es begann mit dem Sturm der Zeiten, der mir entgegenschlug und ich fühlte mich schon in sehr jungen Jahren wie eine Testfigur im Labor aerodynamischer Untersuchungen, wo die Objekte (z.B. Flugzeuge, Eisenbahnen, Autos) auf ihre aerodynamischen Eigenschaften geprüft werden, dem Luftwiderstand ausgesetzt sind – im Windkanal. Auf der Umschlag-Rückseite des Buches lesen wir: Das Schnelllebigste ist die Zeit. Man kann sie nicht anhalten. Darin liegt die Gefahr, dass vieles vergessen wird, was wichtig erscheinen mag.

Ich musste mich beeilen, dieses Buch zu schreiben, weil auch ich dieser Zeitmaschine ausgesetzt bin. Als Journalist, der in der DDR aufgewachsen ist, gehöre ich zu jener Generation im Osten, die man auch 'Testgeneration' nennen kann – daher der Titel des Buches 'Im Windkanal'. Seit der einseitigen Wendezeit beschäftigt mich der missliche Umstand, dass Leute verschiedener Couleur, die die DDR gar nicht erlebt haben, glauben, 'unsere Vergangenheit bewältigen' zu können oder zu müssen. Zum vollständigen Beitrag ...



Cover-Klick | Inhaltsverzeichnis

In einer Spiegel-Ausgabe von 1999 wurde seinerzeit zehn Menschen im Alter von 18 bis 81 die Frage danach gestellt, was für sie "Heimat" bedeuten würde. Die Antworten auf diese Frage fielen recht unterschiedlich aus. Siehe auch: Die Welt ist so groß

Was ist Heimat?

23 Jahre später versuchen Jens Korfkamp und Ulrich Steuten eine Klärung des umkämpften "Heimat-Begriffs" in zwölf Buch-Kapiteln. Im zehnten mit der Überschrift "Sehnsucht nach Übersichtlichkeit: Heimat in den 90er Jahren" ist im Zusammenhang damit u. a. vom deutschen Einigungsprozess nach Art. 23 GG und nicht nach Art. 146 GG, der den demokratischen Weg zu einer neuen Verfassung weist, zu lesen. Von einem Vorgehen, das in den alten Bundesländern der Illusion Vorschub leistete, das neue Deutschland sei nur eine Erweiterung der Altrepublik um fünf neue Bundesländer. Davon, dass sich für die ostdeutsche Bevölkerung hingegen die Lebenswelt fundamental veränderte - dadurch die neue Freiheitserfahrung ambivalent erschien, sich Wertskalen umkehrten, vertraute Gewissheiten und Gewohnheiten verloren gingen. Und sich dadurch mehrheitlich Ostdeutsche benachteiligt fühlten. Nicht zuletzt deshalb, weil eingeübte Lebenstechniken und Kommunikationsformen obsolet wurden. Zu diesen Veränderungen gesellten sich als Folge einer ökonomischen Einigungspolitik die sogenannten „Kosten der Vereinigung". In den neuen Bundesländern erschütterten sie vielfach das Vertrauen in die Kraft und Überlegenheit des westlich-marktwirtschaftlichen Systems. Auf Grund der vielfältigen sozialen und ökonomischen Desorientierungserfahrungen kam es zu Verletzungen des individuellen und kollektiven Selbstgefühls. Was mitunter in Teilen der ostdeutschen Bevölkerung nicht zuletzt auch zur Ausbildung von Ressentiments und rechtspopulistischen Stimmungslagen führte. Durch mangelnde Anerkennung und die umfassende Entwertung ihres ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitals fühlten sich viele ehemalige DDR-Bürger im vereinten Deutschland als „Zweite-Klasse-Bürger“. Gegenüber den westdeutschen „Kolonisatoren" sahen sich die Ostdeutschen infolge der staatlichen Vereinigung Deutschlands nach wie vor mehrheitlich kollektiv benachteiligt. Wie im Kapitel zwölf weiter zu lesen ist, bezog sich zum einen ihr Gefühl einer Benachteiligung auf ihre ökonomisch prekäre Lage, zum anderen erlebten viele die gegen ihren Willen erfolgte Wiedervereinigung als eine narzisstische Kränkung ihrer Identität.

Das Buch ist beim Wochenschau Verlag zu erwerben. Wie Musiker aus Ost und West das Wort"Heimat" definieren? Dazu zwei HörTipps:

HEIMAT | Dirk Michaelis | Künstlersite

HEIMAT | Johannes Oerding | Künstlersite





Weitere SurfTipps


„Legen Sie los, bauen Sie ein Floß, ein Musikinstrument, einen Beamer aus Karton!“ So die Aufforderung von Jenny Friedrich-Freksa in der vierten Ausgabe 2021 des Magazins KULTURAUSTAUSCH mit Themenschwerpunkt übers "Selbermachen" mit zehn Anleitungen aus aller Welt zum Nachbauen. Siehe auch: „Menschen bewahren Geschichten in Gegenständen auf“

70 Jahre Menschen aus aller Welt und Themen, die sie bewegen, 70 Jahre Kulturaustausch. Ein Interview mit Jenny Friedrich-Freksa