LeseBuch


Unter dieser Rubrik finden Sie LeseTipps für unterschiedlichste Publikationen als Anreiz dafür, neugierig und selbst cre-aktiv zu werden.


Eine andere Kartographie des Ostens

Warum spielt die Kultur bei der Frage der Einheit von Ost und West nur so selten eine Rolle? Woher kommt das Gefühl, durch das Ende der DDR sei auch die Kunst dieser Zeit ohne Belang? Oder warum verlieren sich Gespräche darüber häufig in der Ideologisierung oder Ostalgie? Was könnte das überhaupt sein, eine Kultur des Ostens?

Ausgehend von ihrem Verschwinden versucht Marko Martin, diese Kultur in ihrer Vielstimmigkeit wieder lebendig werden zu lassen, sie neu zu kartographieren. Klappentext

Kurzum!

Es gelingt dem Autor, ein kritisches, aber dennoch empathisches Bild der Kultur des Ostens mit Grautönen und Nuancen, Ironie und Witz zu zeichnen. Das nicht nur im Buch, sondern auch in diversen Gesprächen offline und online über sein Buch.

Und dabei lädt der Mann, der noch vor dem Mauerfall im Mai 1989 in die Bundesrepublik übersiedelte, trotzdem und gerade die "Nachgeborenen" dazu ein, Schätze eines längst verschwundenen Landes möglicherweise doch noch mal ganz neu zu entdecken.

Vorab neugierig können dabei machen eine LeseProbe, Anschau- und HörTipps:




Die Unterschätzten

Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung wird immer noch gefragt, wie "der Osten tickt". Warum eigentlich? Die Menschen dort haben friedlich die Mauer niedergerissen, unter schwierigsten Bedingungen eine Transformation vollbracht und vielfach Chancen für einen Neubeginn genutzt. Sie sind Vorreiter politischer Trends, haben verkrustete Strukturen der Bundesrepublik reformiert und verschaffen sich zunehmend selbstbewusst Gehör.

Cerstin Gammelin, selbst ost-sozialisiert, versammelt Geschichte(n) und Analysen zu einer Neubewertung. Denn es ist höchste Zeit, den notorisch Unterschätzen eine Stimme zu geben. Klappentext

Möglicherweise stellvertretend für all jene Leser*innen, die es bisher noch nicht vermochten etwas für sich selbst in Worte zu fassen, schafft das in gleich so vielerlei Hinsicht Cerstin Gammelin in ihrem sehr gut recherchierten Buch.

LeseProbe | DFK | MDR | DF | Leipziger Zeitung | BR Kulturbühne | Ullstein-Buchverlage




Unerhörte Ostfrauen | Lebensspuren in zwei Systemen

Unerhört – und doch prägend: Das sind sie, die Ostfrauen, die in diesem Buch zu Wort kommen. Schon in den 1960er, 70er und 80er Jahren haben sie Beruf und Familie erfolgreich vereinbart, haben das Kind geschaukelt und im Beruf ihre Frau gestanden. Anders als ihre Geschlechtsgenossinnen im Westen profitierten sie dabei von frauenpolitischen Maßnahmen wie flächendeckender Kinderbetreuung, Ausbildungsförderung oder Haushaltstag – und mit der Wende erschien es einigen, als seien sie in Sachen Gleichberechtigung ins Mittelalter zurückgefallen.

Authentisch, emotional und auch trotzig verteidigen die interviewten Frauen ihre Erfahrungen in Ost und West. Entwaffnend offen ziehen sie persönliche Bilanz, berichten über fehlende Anerkennung und Vorurteile, die ihnen im Westen begegnet sind, über ihren Neuanfang nach der Wende und über ihren Erfahrungsvorsprung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, den sie in den Westen eingebracht haben. Klappentext

Allein der Blick in das Inhaltsverzeichnis Buches von Uta Mitsching-Viertel und Ellen Händler verspricht eine wirklich spannende, interessante und unterhaltsame Lektüre. Insbesondere für inzwischen ältere Ostfrauen, die sich in ihren eigenen Erlebnissen in so vielerlei Hinsicht oftmals bestätigt wissen oder sich wiederfinden. Weitere Details zum Buch auf der Website des ibidem-Verlages




Demokratie lebt vom Diskurs, der geführt werden will.

“Verändern, statt versprechen”. So die Aussage von Annalena Baerbock von den “Grünen” im April 2021.

Fast zeitgleich erscheint am 21. April der Weckruf von Dirk Neubauer in Form einer längst überfälligen Einladung zum Streit! “Für die Demokratie. Denn die ist bedroht. Zum einen von denen, die seit Jahrzehnten per Mandat in unserem Namen Politik machen. Zum anderen von uns Bürger*innen, die wir ebenso lange vergessen haben, dieses demokratische Mandat auch wirklich zu kontrollieren und uns selbst politisch einzubringen. Nun wachen wir langsam auf und stellen fest: Dieses komplexe, über regulierte, paragraphenreitende und oftmals autokratisch gelenkte Land braucht einen Neustart! Einen konstruktiven Diskurs darüber, wie wir künftig wieder einfacher, ehrlicher und, ja, am Ende auch demokratischer miteinander leben können. Wie wir zu einer Ordnung kommen können, die nicht nur um des Volkes Mandat bemüht, sondern auch wieder mehr von dessen Willen bestimmt ist.” So auszugsweise nur einige wenige zitierte Sätze aus dem Vorwort zum Buch, welches ein Angebot macht, in diese Auseinandersetzung endlich mit einzutreten. Dabei erhebt Dirk Neubauer keinesfalls den Anspruch, für alles eine alleinige Lösung zu haben. Wohl aber will er über dieses Buches aufrütteln und dazu auffordern, Undenkbares zu denken, Unsagbares zu sagen. Ganz wichtig dabei ist und bleibt zu lernen, sich auf Augenhöhe und fair zu begegnen.

LeseProbe | HörTipp | AnschauTipp | Buchangebot beim Rowohlt-Verlag|| Anmerkung: Dirk Neubauer ist inzwischen wieder aus der SPD ausgetreten.




Das Erbe sind wir

DDR-Journalisten absolvierten fast ausnahmslos ihr Studium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Einer von ihnen, dessen Bildungsweg ebenfalls an dieser Universität begann, war Michael Meyen. Leider erlebte er nach viel zu kurzer Zeit hautnah mit, wie erst ein ganzer Staat verschwand, in dem er aufgewachsen war, dann auch noch die Sektion Journalistik und schließlich auch jedwede Erinnerung an die Menschen, die dort gelehrt haben. Dass damit gleichermaßen ein Paradigma entsorgt wurde, das Forschung und Berufspraxis verbunden hatte, könnte nach Meinung Meyens auch eine Antwort auf die Medienkrise der Gegenwart liefern. Siehe auch Kapitel 10 mit der Kapitelüberschrift “Was der Abriss der Leipziger Journalistik mit der Krise der Gegenwart zu tun hat”

Der auf Mediennutzung und Journalismus-Forschung spezialisierte Kommunikationswissenschaftler erzählt in seinem Buch “Das Erbe sind wir” mit dem Untertitel “Warum die DDR-Journalistik zu früh beerdigt wurde” auch seine eigene Geschichte. Eine Lebensgeschichte, die verbunden war und ist mit den Erfahrungen des Scheiterns, insbesondere mit Debatten, die dem Scheitern im langen Herbst 1989 folgten, und mit so vielen Ideen, die seinerzeit in Leipzig produziert wurden. Denn auch damals schon ging es um Fragen, die uns bis heute beschäftigen. Beispielsweise bei Fragen danach, wie wir zusammen leben wollen, wie wir es schaffen, dass alle mitsprechen können, wenn es um ihr eigenes Leben geht. Leider sind die Antworten von einst - so Michael Meyen - schlichtweg “verschluckt worden von einer Vereinigungsmaschine, die nur einen kleinen Teil Ostdeutschlands brauchte, um genauso weitermachen zu können wie vorher”.

Michael Meyens Buch macht nicht nur neugierig auf bisher noch unbekannte Geschichten. Es regt vor allem auch dazu an, fortwährend neu über das Selbstverständnis im Journalisten-Beruf nachzudenken und es neu zu beleben.

LeseProbe | Michael Meyen im Interview 1 + Interview 2 | Herbert von Halem Verlag




Jugendradio DT64 und die DT64-Freundeskreise

Bereits 1995 schrieb Heiko Hilker etwas auf über ein Jugendradio, welches existierte wie andere Radios auch. Wenige hörten es mehr, viele weniger und manche gar nicht. Und wenn überhaupt mal über das Jugendradio gesprochen wurde, dann meist nur über einzelne Sendungen, die bedauerlicherweise dann auch noch viel zu spät am Abend ausgestrahlt wurden.

Doch eines Tages wendete sich das Blatt. Plötzlich war viel zu lesen und zu hören über das Jugendradio DT64 als Ganzes. Dabei wurde weniger über die Moderatoren und Redakteure berichtet, vielmehr aber über die Hörer*innen des Senders, die mit ganz verschiedenen Aktionen auf sich aufmerksam machten.

Wie kam es zu dieser bis dahin so außergewöhnlichen Verbindung? Wie entstand die "Jugendbewegung mit Radio"? Welche gesellschaftlichen Ursachen hatte sie? All diese geäußerten und von Heiko Hilkers längst aufgeschriebenen Gedanken wurden nun endlich nach einem Vierteljahrhundert veröffentlicht. Spät, aber vielleicht noch nicht zu spät, zumal sie aufzeigend daran erinnern, was unter bestimmten Bedingungen tatsächlich möglich war und verwirklicht werden konnte.

Inhaltsverzeichnis + LeseProbe || Interview bei RadioCorax vom 25. 1. 2021 | Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen | Das mediale Erbe | 1995

"Jugendradio DT64 - Chronik einer angekündigten Abwicklung" von Rainer Hällfritzsch und Ulrike Hemberger | Screens zu vier geteilten YouTube-Veröffentlichungen von Kai Brathuhn:




Radiogeschichten von Wolfgang Martin

Ein Berufsstand mit überaus facettenreichen Seiten wurde bisher kaum gewürdigt: die der Musikredakteur*innen im DDR-Funk und Fernsehen. Umso erfreulicher ist es, dass Wolfgang Martin in seinem neuen Buch von solcher Arbeit erzählt, nachdem er bereits Bücher über die Musiker Dieter Birr und Holger Biege veröffentlichte.

Leser*innen nehmen Anteil an seinen Erlebnissen als Musikredakteur, Reporter und Moderator im Rundfunk der DDR, in denen er u. a. die großen Ost-Rock-Stars wie die Puhdys, die Gruppen Renft, Silly, Omega aus Ungarn oder Niemen aus Polen kennenlernte. Gleichermaßen erfahren sie vom Verfasser des Buches, welche West-Künstler*innen er für seine jeweiligen Sendereihen in den 70er Jahren bereits interviewte. Um nur einige wenige zu nennen: ABBA, José Feliciano, Status Quo oder auch Alexis Korner.

Am 10. September 2020 nun stellte Ulf Drechsel, der bis Ende 1991 Redakteur und Moderator beim „Jugendradio DT64“ war, erstmals das neue Buch von Wolfgang Martin im Berliner Kesselhaus vor. Musikalisch umrahmt wurden dabei die Gespräche und Lesungen vom Sänger Manuel Schmid am Keyboard. Am Ende der rundum gelungenen Veranstaltung - unter den Gästen im Kesselhaus befanden sich auch Dieter Birr, Georgi Gogow und Frank Schöbel - betonte Ulf Drechsel noch einmal, dass man Musik nur mit Leidenschaft machen kann. Und wenn man Leidenschaft für Musik empfindet und dann auch noch zum Radio geht, kann man auch diesen Job, diese Arbeit nur mit absoluter Leidenschaft machen, ansonsten macht es niemandem Spaß. Weder einem selbst, noch den Hörer*innen. Und wenn man dann als einer wie "Wölfi" so viele erlebte Geschichten zwischen zwei Buchdeckel bringt, ist das noch mal wie ein Déjà-vu für diese Momente der Leidenschaft. In diesem Sinne wurde noch einmal die Einladung ausgesprochen, die Chance wahrzunehmen, auf eigene Art und Weise zum im Buch Beschriebenen die eigenen Erinnerungen hinzuzufügen. Lesen Sie den vollständen Beitrag von Elisabeth Heller auf Zeitreisen-Nalepafunk ...

Erschienen ist das Buch "Wie die Westmusik ins Ostradio kam" 2020 beim Verlag "Bild und Heimat". Genau wie diese beiden Bücher:

"Stimmt, es war nicht alles schlecht, aber wer sagt denn, dass man es nicht besser machen kann. Jetzt nicht jammern, sondern machen." so Jürgen Karney im Jahr 1991 | Zitat aus seiner Autobiografie "Auf Sendung".

Genauso wie das Buch seiner Kollegin und Kultfigur aus dem Fernsehen der DDR - damals bekannt als Puppendoktor Pille. Urte Blankenstein schaut in ihrer Autobiografie "Habt ihr Kummer oder Sorgen ... " gleichermaßen zurück auf ihr so bewegtes Leben.

Weitere Details: Verlag "Bild und Heimat"


Bildlink | LeseProbe von Constanze Suhr

Der Klang des Ostens"

... so der Beginn einer Kapitelüberschrift eines Buches, welches im Zusammenhang mit der Veröffentlichung „Wie die Westmusik ins Ostradio kam“ von Wolfgang Martin empfohlen werden darf: „Der Platz – Geschichten um einen ehemaligen Todesstreifen in der Berliner Innenstadt" von Constanze Suhr.

Allein zwei weitere Kapitel aus ihrem Buch mit den Überschriften „Immer unterwegs in Sachen Amiga: Besuch bei Jörg Stempel“ oder auch „Der letzte A&R-Chef von Amiga: Besuch bei Matthias Hoffmann“ lassen zumindest ansatzweise erahnen, warum.

Die sehr interessante und berührende Publikation der KungerKiezInitiative e.V. kann in jeder Buchhandlung bestellt werden. Details: „Der Platz – Geschichten um einen ehemaligen Todesstreifen in der Berliner Innenstadt“, © Constanze Suhr (HG), ISBN 978-3-98-20856-7-8.




Rockmusik im Osten

Ein Tipp für ein bereits in Corona-Zeiten erschienenen Buches. Die Rede ist von einem auf seine Art einzigartigen Bildband mit 80 großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos von Ulrich Burchert. Dem gegenüber gestellt sind 216 Songtexte zahlreicher Bands aus den Jahren 1970 bis 2013. Vertreten sind dabei nahezu alle wichtigen Texter*innen aus dem Osten Deutschlands. Eine Reihe von Essays von Wolfgang Herzberg, Christian »Flake« Lorenz, Hans-Eckardt Wenzel und Peter Wicke, runden den kostbaren Band ab.

Erstmals in Noch-Coronazeiten konnte dieser so beeindruckende Bildband im Berliner DDR-Museum vor einem Livepublikum vom Musiker Lutz Kerschowski und dem Publizist Wolfgang Herzberg im September 2021 vorgestellt und präsentiert werden.

Für Interessierte, die nicht das Glück haben sollten, dieses Juwel in Buchform derzeit erwerben zu können, vorab diverse Anschau- und HörTipps. Allen voran die Spotify-Playlist zum Bildband ...




Zum Umgang mit Musik aus der DDR und den neuen Bundesländern nach 1990

An dieser Stelle sei erstmals nicht nur auf ein Sachbuch als solches, vielmehr auf eine wissenschaftliche Studie verwiesen, die der im Jahr 1990 geborene Jakob Auenmüller im 30. Jahr der Wiedervereinigung als Plädoyer vorlegt. Es ist sein Beitrag, der sicher auch aus seiner Beobachtung heraus rührt, dass in der musikwissenschaftlichen Forschung die Auseinandersetzung mit der Nachwendezeit und die Frage nach dem Umgang mit Musik aus der DDR und den neuen Bundesländern seit 1990 kaum eine Rolle zu spielen scheint.

Der Autor will seine Arbeit als ein forschendes Vorhaben verstanden wissen, welches mithilfe von Teilstudien sowohl qualitative als auch quantitative Ansätze nutzt, gegenüberstellt und miteinander verbindet; damit auch noch mal die Komplexität des Themas zusätzlich verdeutlicht.

In seinen Ausführungen verweist er übrigens neben den auf die TV-Doku Bilanz Deutschland auch auf Bücher, die u. a. auch in dieser Rubrik bereits empfohlen wurden.

Jakob Auenmüller ist sehr überzeugt davon, dass das Musikleben geradezu prädestiniert dafür wäre, in Zukunft noch stärker als aktive Plattform für Aushandlungsprozesse eines nachhaltigen gesamtdeutschen Zusammenwachsens zu fungieren.

Bei Klick auf das Buchcover öffnet sich eine kurze LeseProbe mit einem sehr ausführlichen Inhaltsverzeichnis, das allein schon neugierig machen darf. Weitere Details zum Buch sind zu finden auf der Website des transcript verlages.

Bis Januar 2021 noch abrufbar auf Arte.tv ist die Doku von Bettina Ehrhardt und Ian Pace "Wir fangen ganz von vorn an | Neue Musik für ein Deutschland nach dem Krieg"

Unabhängig von diesem Buch noch eine Anmerkung zu einem begnadeten DDR-Liedermacher. Das Porträt über den in der DDR singenden Baggerfahrer Gerhard Gundermann darf im 30. Jahr der Wiedervereinigung endlich auch die Premiere bei ARTE und der ARD als ein Stück Zeitgeschichte OHNE Schwarz-Weiß-Malerei feiern. Der 2019 vielfach preisgekrönte Kinofilm von Regisseur Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler ist ein Film über einen “sperrigen Helden”, der virtuos die ganze Komplexität deutsch-deutscher Geschichte von 1975 bis in die Nachwendezeit verkörpert. Besser als jede Dokumentation das vermag zu vermitteln: GUNDERMANN

Am 3.10.2020 veröffentlichte Lisa Walter auf der Website "deutsche mugge" passend zum Thema diesen Beitrag: 30 Jahre Musikgeschichte und keine Deutsche Einheit




Fakten gegen Fakes!

Meinungen über das bisher noch nie vorhandene Wissen sind vielfältiger denn je. Und noch nie wurde öffentlich so sehr über wissenschaftliche Fragen diskutiert und gestritten wie in Zeiten der Pandemie. Leider geraten dabei Tatsachen und Behauptungen oftmals genauso durcheinander wie Ursache und Wirkung. So betrachtet genau die die richtige Zeit für einen gründlichen Faktencheck von Dr. Mai Thi Nguyen-Kim mit ihrer großen Liebe zur Komplexität der gesellschaftlichen, damit gleichermaßen zu kontroversen Themen. Auf Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zeigt Dr. Mai Thi Nguyen-Kim auf, was wahr, was falsch und was plausibel ist. Sie prüft Streitfragen auf Herz und Nieren und unterfüttert sie mit Daten. Und durch den wiederholten Verweis auf "Grautöne" will sie helfen, die Hitze aus "Schwarz-Weiß-Diskussionen" mehr und mehr herauszunehmen.

Kurzum ist das zu empfehlende Buch "Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit" ein spannender und informativer Fakten- und Reality-Check und damit auch der beste "Bullshit-Detektor" für unsere angeblich postfaktische Zeit. Zur LeseProbe & Website des Droemer-Verlags mit weiteren Details.

Die Initiative "Together for Fact" setzt sich für kompetenten und integren Journalismus über Wissenschaft ein. Unterstützt wird sie dabei von Forschenden und Medienschaffenden. Dabei auch Dr. Mai Thi Nguyen-Kim: Gesichter der Intitiative || Ranga Yogeshwar: Wir müssen besser erklären, wie Wissenschaft funktioniert || Wissenschaft braucht Zeit. Medien berichten aktuell und haben den Anspruch, auch die Gegenseite abzubilden. Aber wie passt das zusammen? Mehr dazu in der Sendung "Breitband" | Podcast zum Nachhören | Deutschlandfunk Kultur am vom 10.4.2021




Thomas Oberender | Empowerment Ost

Sind die Ostdeutschen undankbar? Sehen ihre Städte heute nicht schöner aus als vor dreißig Jahren? Was ist aus den »Jammer-Ossis« geworden? Und woher kommt noch immer die Rede von »ostdeutschen Demokratiedefiziten« oder einer »alternativlosen« Politik der Treuhand?

Thomas Oberender legt in seinen Antworten die verblüffende Andersartigkeit der Wahrnehmung unserer jüngeren Geschichte in Ost und Westdeutschland offen. In seinem Buch analysiert er den sogenannten »Aufbau Ost« und beschreibt die Revolution der ostdeutschen Bürgerbewegung als eine radikale Demokratieerfahrung, frappierend visionär und realistisch zugleich. Ein Vorläufer des politischen Aktivismus von heute.

Empowerment Ost kann somit auch ein Kompass für eine Wiedervereinigung auf Augenhöhe und ein begeisternder Aufruf für die Möglichkeit einer anderen Zivilgesellschaft sein.

Darüber, dass nach über drei Jahrzehnte nach Maueröffnung die Erfahrung der Wiedervereinigung in Ost und West noch immer eine völlig andere ist, sprach u.a. auch MDR KULTUR mit Thomas Oberender: "Wie wir zusammenwachsen" + "Ostdeutsch-Sein darf nicht Zweitrangig-Sein heißen" Der gebürtige Jenaer, Intendant der Berliner Festspiele und Autor hat seine Sicht auf die Geschichte der Postwendezeit auch in einem Beitrag bei RBB Kultur dargelegt. Überdies hat Tomasz Kurianowicz den Theatermacher interviewt: "Der Westen glaubt, von der DDR nichts lernen zu können" ||| Details zum Buch bei Klett-Cotta | LeseProbe




Hinter den Grenzen von Wissen und Wissenschaft

So die Überschrift zu einem Abschnitt eines Buches von Dr. med. Dietmar Hansch, in dem er betont, dass selbst nüchtern-rational, technisch-naturwissenschaftlich geprägten Menschen geholfen werden kann bei der Bewältigung von Panik und Angst - so sie denn auftreten. Ängste, mit denen wir Menschen leben, waren, sind und werden immer davon abhängig sein, was wir in unserem Leben für wichtig oder gar für unverzichtbar halten. Davon, wovon wir glauben, dass wir es für unser Glück unbedingt brauchen. Je mehr wir für unverzichtbar erklären, desto größer müssen die Verlustängste sein. Ängste, wenn es vor allem ums Glück in einer Wohlstandsgesellschaft geht.

Der Autor des Buches "Panik & Platzangst selbst bewältigen" verfügt über langjährige Erfahrungen in Wissenschaft, Lehre und Behandlungspraxis. Wie Prof. Dr. Jürgen Hoyer im Geleit zu seinem Buch schreibt, ist aus der Art, wie Dietmar Hansch seine Leser*innen anspricht, vor allem der erfahrene, humanistisch geprägte Arzt und Psychotherapeut herauszuspüren, der es liebt, die Kompetenzen seiner Patient*innen zu schulen, zu entwickeln und zu stärken. Dabei immer wieder betont, dass es ganz wichtig bleibt, für das Glück vor allem auch die inneren Quellen anzuzapfen. LeseProbe | Buchangebot bei Droemer Knaur




Die Suche nach dem Glück

Sie ist so alt wie der denkende Mensch selbst. In jeder Epoche der Menschheit und allen Gesellschaftsformen hat man sich an dieser fundamentalen Frage nach dem Glück die Köpfe heißgeredet, Hunderte von Büchern geschrieben und Studien verfasst. Daraus wurden verschiedene Geistesschulen etabliert, Weltbilder geformt und Wissenschaften gegründet. Bleibt zu fragen, ob wir inzwischen dem Glück ein Stückchen näher gekommen sind oder uns noch weiter davon entfernt haben.

Werden wir den Entwicklungssprung zum wirklich glücksfähigen Menschen schaffen? Zu einem Menschen, der aufs Positive schaut und offen für die Veränderungen des Lebens ist? Der Ja zu sich selbst und seinem Umfeld sagt? Der empathisch ist, Verständnis für alle aufbringt und ein authentisches Leben lebt? Zu einem Menschen, dem das Miteinander wichtiger ist als die Trennung?

Zwölf Autoren*innen - von jung bis älter und aus ganz verschiedenen Bereichen kommend - verraten ihre jeweilige Glücksformel. Zu den "Glücksbringern" gehören Robert Betz, Stefanie Stahl, Gerald Hüther, Laura Malina Seiler, Eva-Maria und Annalena Zurhorst, Thomas Brezina, Katharina Tempel, Dami Charf, Susan Sideropoulos, Martina Leibovici-Mühlberger, Nicola Schmidt und Julia Engelmann. All ihre Geschichten machen vieles, was im Grunde oftmals längst bekannt ist, trotzdem noch mal neu bewusst. Und gerade in Zeiten der nicht enden wollenden Pandemie 2021 machen sie überdies ganz einfach Mut und laden ebenfalls zu Reisen nach Innen ein, bevor es möglich sein wird, wieder physisch die Welt neu zu entdecken. LeseProbe | Buchangebot bei Gräfe & Unzer




Weitere Anschau- & HörTipps

Jörg Wagner: Wie die Westmusik ins Ostradio kam - Backstage mit: Wolfgang (Wölfi) Martin:




360G|Medien fragt 30 Jahre nach der Deutschen Einheit: Welche Rolle spielen Medien bei der Bewertung Ostdeutschlands? Und wer gibt den Ton an?

Mehr dazu auf der Website des MDR zu "Ostdeutschland in den Medien"




"Kinder der Wende" melden sich beim MDR in 14 Videos zu Wort: Generation Umbruch

Andreas Sandig: Interview mit Steffen Mau: Die Ost-Identität ist eine Ressource

Eine Kolumne von Valerie Schönian: Corona und der westdeutsche Blick

MDR Podcast | Schublade "Ossi" - Warum wir reden müssen