MediaBox | LeseBuch


Unter dieser Rubrik finden Sie LeseTipps für unterschiedlichste Publikationen als Anreiz dafür, neugierig und selbst cre-aktiv zu werden.


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Die Macht der Plattformen | Politik in Zeiten der Internetgiganten"

Was Leser*innen inhaltlich erwarten dürfen, ist zunächst ganz grob auf der Rückseite des Buches wie folgt zusammengefasst | Auszug:

"Plattformen sind mehr als Unternehmen, sie sind die Herrschaftszentren unserer Zeit. Facebook, Google und Amazon ersetzen Marktplätze und öffentliche Räume, doch sie entscheiden darüber, wer sich dort aufhalten darf und welche Regeln gelten. Von Staaten sind sie kaum zu kontrollieren, sie agieren selbst wie welche. Mehr noch: Plattformen stellen gängige Konzepte von Kapitalismus, Eigentum und Demokratie in Frage. Michael Seemann zeigt, was Plattformen ausmacht, woher ihre Macht kommt, wie sich mit ihnen umgehen lässt und welche Zukunft sie haben."

Nicht sofort kann das ganze Ausmaß dessen erfasst werden, was es mit der erstaunlichen Macht der sich ständig wandelten Internetgiganten überhaupt auf sich hat. Vieles im Buch Beschriebene wird einem erst allmählich - möglicherweise auch erst mal nur ansatzweise bewusster. Mehr noch, wenn man dem Autor und Kulturwissenschaftler Michael Seemann selbst in Gesprächen zuhört oder -schaut. Oder ergänzend dazu auch beim Anschauen eines ttt-Beitrags | bis Juli 2022 abrufbar | zumBuch Inside Facebook | Die hässliche Wahrheit. Sheera Frenkel und Cecilia Kang geben darin einen Einblick in die Strukturen und Entscheidungsprozesse des Online-Giganten Facebook.

Weiteres zum Buch und damit zu Plattformen, die laut des Autors politisch offen und damit im Guten wie im Bösen gestaltbar bleiben, auf den Websites von Michael Seemann || Ch. Links Verlag sowie auf Onlineportalen mit Audio- und Videobeiträgen | Auswahlbeispiele:




Zeit- und deutsch-deutsche Musikgeschichte

Der MDR widmet Tamara Danz anlässlich ihres 25. Todestages im Sommer 2021 ausreichend Sendeplatz. Damit auch der deutsch-deutschen Musikgeschichte mit Blick auf die einzigartige ostdeutsche Rockmusik, von der ein großer Teil im DDR-Funkhaus in der Nalepastraße nicht nur produziert, sondern von dort aus auch ausgestrahlt wurde. In filmischen Beiträgen geht es um eine ostdeutsche Ikone, um Distanz und Nähe zu einem politischen System, um Popkultur, um die Annäherungen zwischen Deutschland Ost und Deutschland West, um den Niedergang eines Staates, einen Neubeginn nach der Wende und natürlich um viel Musik.

Rocklegende Tamara Danz

An diese außergewöhnliche Frau erinnern auch der Journalist Alexander Osang und der ehemalige DDR-Rundfunk-Musikredakteur in ihren jeweiligen Büchern:

Paradiesvögel fängt man nicht ein | Hommage an Tamara Danz

Tamara Danz | Legenden

Die charismatische Rocksängerin starb 1996 mit nur 43 Jahren an Krebs. Ein filmisches Denkmal setzt ihr u. a. die MDR Doku in der Reihe "Legenden". 25 Jahre nach ihrem Tod schafft es Tamara Danz sogar in die ARD-Sendung ttt .

Paradiesvögel fängt man nicht ein | Hommage an Tamara Danz“ - ein Buch von Wolfgang Martin samt Erinnerungen von Weggefährt*innen. Nicht nur ein lesenwerter Mix über Tamaras Biografie und Historie der Band, sondern immer auch Zeitgeschichte pur. Denn nicht nur in DDR-Zeiten legte Silly mit kritischem Blick zur jeweiligen Lage der Nation höchsten Wert auf die eigene Meinung. Auch dann noch, wenn mitunter von westlicher Seite schlagereske Gegenvorschläge kamen. Dazu O-Ton Tamara Danz: "Wir dachten Textkontrollen sind vorbei. Dabei haben sich nur die Vorzeichen geändert. Im Osten waren ideologische - jetzt sind es kommerzielle Zwänge" (Siehe auch Buchseite 157). Weitere Details zum Buch auf der Website des Verlages "Bild und Heimat" sowie auf der Website von radio eins.

Im Buch "Tamara Danz | Legenden" ging Alexander Osang, der das letzte Interview mit ihr führte, der Frage nach, wer Tamara Danz eigentlich war und was sie in den Köpfen ihrer Freunde und Feinde hinterlassen hat. Er sprach mit Liebhabern und Rivalinnen, mit Managern und Politikern, mit Kollegen und Ärzten. Entstanden ist ein facettenreiches Porträt, das zugleich Auskunft gibt über menschliches Verhalten in einer Zeit schwieriger Umbrüche. Weitere Detail zum Buch auf der Website des Ch. Links-Verlages




Strawalde | Jürgen Böttcher

Bereits 2018 wurde der bedeutende bildende Künstler Strawalde und mehrfach ausgezeichnete Regisseur Jürgen Böttcher in einer großen Ausstellung in der Städtischen Galerie Dresden gewürdigt. Ans Herz zu legen sei in dem Zusammenhang ein bei Sandstein erschienener Ausstellungskatalog samt einer vom Verlag zur Verfügung gestellten und breit angelegten LeseProbe. Diese macht nicht nur neugierig auf das Buch, sondern auf die angenehm eigenwillige Künstlerpersönlichkeit als solche, die im Juli 2021 ihren 90. Geburtstag feiern durfte.

Aus Anlass des 90. Geburtstages des so vielseitigen Künstlers Strawalde | Jürgen Böttcher wird seine Würdigung wieder in der Stadt seiner künstlerischen Wurzeln fortgesetzt. Dieses Mal im Dresdner Leonhardi Museum, welches seine Arbeiten auf Papier zeigt: “STRAWALDE | Blätter aus der Zeit“ .

Aber auch die Öffentlich-rechtlichen Medien ehren 2021 im längst vereinten Deutschland mit interessanten Dokumentationen und einer Feature-Wiederholung einen Mann, der von sich selbst mal sagte, dass er sich einst wie ein "verkrüppelter Internationaler" vorkam. Trotzdem hatte sich Jürgen Böttcher in der DDR verbunden gefühlt mit neuen Versuchen in der Welt - so in Kuba, Nicaragua und Chile. Und obwohl Böttcher an seinen eigenen Kriegserfahrungen fast kaputt gegangen wäre, war da immer diese Hoffnung darauf geblieben, dass die Welt sich dreht und mehr Gerechtigkeit kommt. Auch wenn die Illusionen dann zunehmend schwanden, blieb er sich trotzdem treu in seiner einmal eingeschlagenen Richtung. Was übrigens viele so nicht vermuten würden: Jürgen Böttcher wollte ursprünglich auch schon mal Sänger werden.

Details und Angaben zum Katalog auf der Website des Sandstein Verlages sowie weitere Infos auf diversen Online-Portalen. Unter der Überschrift "Verbote und Erfolge: Maler und Filmemacher Jürgen Böttcher alias Strawalde" von Günter Kotte gibt der MDR einen Überblick über das Schaffen des Künstlers mit weiterführenden Weblinks.

HörTipp: Strawalde. Oder: Mach dich an dein sündiges Leben || AnschauTipps: ARD-Mediathek | progress.film| Über Progress Film

Bei der Frage danach, was Lebensdaten eines Künstlers für einen Sinn machen, darf die Antwort bei Strawalde | Jürgen Böttcher lauten: " Weil sein Werk ja sein Leben ist. Und sein Leben sein Werk."

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Griff nach den Sternen

Seit dem spektakulären Fund der Himmelsscheibe von Nebra, der ältesten konkreten Darstellung des Himmels, ist bekannt, dass auch in Mitteleuropa vor fast viertausend Jahren eine Kultur blühte, die nach den Sternen griff. Harald Meller und Kai Michel zeigen in ihrem neuen Buch wie Archäologen immer neue Kontakte zwischen den Kulturen aufdecken. Und sie präsentieren die neuesten Erkenntnisse der Forschung darüber, auf welche Weise das Wissen der Himmelsscheibe nach Nebra gelangt sein könnte. || Details: Ullstein-Verlage + Buchtrailer:

Die Autoren Harald Meller und Kai Michel stellten bereits 2018 ihr Buch "Die Himmelsscheibe von Nebra" über den "Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas" erstmals einem breiten Publikum im Berliner Gropius Bau vor: an einem Ort, in dem das Museum für Vor- und Frühgeschichte und der Verband der Landesarchäologen die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 noch bis Januar 2019 zeigten.

Besagte Erwähnung fand dieses Buch ebenso im Beitrag "Arche Nebra" unter der Rubrik "Bilder | KulturTour | Erlebnis Romanik und Wein" 2019 auf dieser Website.

Passend dazu zwei Wanderführungen der etwas anderen Art von der Rheinländerin Nikola und der Tirolerin Andrea Slavik. Zusammen schreiben sie spirituelle Wanderbücher wie diese und bieten ihre Begleitung zu Kraftorten in der Natur an.

Beide Bücher sind erschienen beim Mitteldeutschen Verlag:




Vom Aufstehen | Ein Leben in Geschichten von Helga Schubert

1940 geboren in Berlin gehört sie zur Generation mit Verlust der Kindheit durch die Traumatisierung der Elterngeneration. Deshalb auch erzählt sie in ihrem Buch von traurigen Gefühlen, vom Kind und Muttersein, vom komplizierten Verhältnis zu ihrer Mutter, mit der sie erst vier Jahre nach deren Tod wirklich Frieden schließen konnte. Sicher auch deshalb, weil sie im eigenem Alter mehr und mehr erkannte, was die Mutter ebenfalls an so viel Schwerem durchmachen musste. Was wiederum zu ihrer Aussage passt, nichts im Leben nur einseitig zu sehen. Denn oftmals sind es ja gerade die einseitigen Sichten, die Menschen in Schwierigkeiten bringen oder ihnen Probleme machen. Gespräche über Erinnerungen oder Gegenbeispiele gegen die jeweilig gerade festgefahrene Meinung über andere oder sich selbst können deshalb helfen, Menschen wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

In einem ihrer zahlreichen Interviews zum Buch sagte Helga Schubert als eine Frau, die zwar mit Distanz auf die Welt schaut, sich dabei aber niemals distanziert, dass es eine Lebensschule sei, in einer Diktatur gelebt zu haben, weil man darin mehr, als man sollte, Menschen beobachtet - tiefer in sie schaut. Was aber leider auch eine Last und Beschwernis der Seele sei, die zumindest sie mit in die offene Gesellschaft geschleppt hätte.

Helga Schubert studierte an der Humboldt-Universität Berlin Psychologie. In der Folge arbeitete sie als klinische Psychologin, Psychotherapeutin und freie Schriftstellerin in der DDR und bereitete sogar als Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches die ersten freien Wahlen mit vor. Nach zahlreichen Buchveröffentlichungen zog sie sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, bis sie 2020 mit der Geschichte "Vom Aufstehen" den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann. Welch' eine Freude und späte Genugtuung für Helga Schubert. Warum? Siehe Beitrag bei DR Kultur ...

Es macht ganz großen Spaß, ihre zutiefst menschlichen und von ganzem Herzen kommenden Texte zu lesen. Sind sie doch geprägt vom genauen Hinhören und Beobachten. Und obwohl sehr persönlich sind sie immer auch erstaunlich universell. Davon zeugen nicht zuletzt auch ihre Filmszenarios und Drehbücher oder Hörspiele. Die beiden DEFA-Filme "Die Beunruhigung" von 1981 und "Ab heute erwachsen" von 1985 sind auf dem Online-Portal von Progress bei einer Registrierung im Vorschaumodus in Gänze nachzuschauen. Empfehlenswert auch die filmische Dokumentation von 1990 "Klassentreffen - Die geteilte Klasse"

Weitere Details samt Pressestimmen auf der dtv-Verlagsseite | LeseProbe




Unerhörte Ostfrauen | Lebensspuren in zwei Systemen

Unerhört – und doch prägend: Das sind sie, die Ostfrauen, die in diesem Buch zu Wort kommen. Schon in den 1960er, 70er und 80er Jahren haben sie Beruf und Familie erfolgreich vereinbart, haben das Kind geschaukelt und im Beruf ihre Frau gestanden. Anders als ihre Geschlechtsgenossinnen im Westen profitierten sie dabei von frauenpolitischen Maßnahmen wie flächendeckender Kinderbetreuung, Ausbildungsförderung oder Haushaltstag – und mit der Wende erschien es einigen, als seien sie in Sachen Gleichberechtigung ins Mittelalter zurückgefallen.

Authentisch, emotional und auch trotzig verteidigen die interviewten Frauen ihre Erfahrungen in Ost und West. Entwaffnend offen ziehen sie persönliche Bilanz, berichten über fehlende Anerkennung und Vorurteile, die ihnen im Westen begegnet sind, über ihren Neuanfang nach der Wende und über ihren Erfahrungsvorsprung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, den sie in den Westen eingebracht haben. Klappentext

Allein der Blick in das Inhaltsverzeichnis Buches von Uta Mitsching-Viertel und Ellen Händler verspricht eine wirklich spannende, interessante und unterhaltsame Lektüre. Insbesondere für inzwischen ältere Ostfrauen, die sich in ihren eigenen Erlebnissen in so vielerlei Hinsicht oftmals bestätigt wissen oder sich wiederfinden. Weitere Details zum Buch auf der Website des ibidem-Verlages




Demokratie lebt vom Diskurs, der geführt werden will.

“Verändern, statt versprechen”. So die Aussage von Annalena Baerbock von den “Grünen” im April 2021.

Fast zeitgleich erscheint am 21. April der Weckruf von Dirk Neubauer in Form einer längst überfälligen Einladung zum Streit! “Für die Demokratie. Denn die ist bedroht. Zum einen von denen, die seit Jahrzehnten per Mandat in unserem Namen Politik machen. Zum anderen von uns Bürger*innen, die wir ebenso lange vergessen haben, dieses demokratische Mandat auch wirklich zu kontrollieren und uns selbst politisch einzubringen. Nun wachen wir langsam auf und stellen fest: Dieses komplexe, über regulierte, paragraphenreitende und oftmals autokratisch gelenkte Land braucht einen Neustart! Einen konstruktiven Diskurs darüber, wie wir künftig wieder einfacher, ehrlicher und, ja, am Ende auch demokratischer miteinander leben können. Wie wir zu einer Ordnung kommen können, die nicht nur um des Volkes Mandat bemüht, sondern auch wieder mehr von dessen Willen bestimmt ist.” So auszugsweise nur einige wenige zitierte Sätze aus dem Vorwort zum Buch, welches ein Angebot macht, in diese Auseinandersetzung endlich mit einzutreten. Dabei erhebt Dirk Neubauer keinesfalls den Anspruch, für alles eine alleinige Lösung zu haben. Wohl aber will er über dieses Buches aufrütteln und dazu auffordern, Undenkbares zu denken, Unsagbares zu sagen. Ganz wichtig dabei ist und bleibt zu lernen, sich auf Augenhöhe und fair zu begegnen.

LeseProbe | HörTipp | AnschauTipp | Buchangebot beim Rowohlt-Verlag || Anmerkung: Dirk Neubauer ist inzwischen wieder aus der SPD ausgetreten.




Sind wir uns wirklich einig?

An die Beantwortung dieser Frage tasten sich die ostdeutsche Ilka Wild | Jahrgang 1971 und die westdeutsche Carolin Wilms | Jahrgang 1969 in einem gemeinsamen Buch ganz sachte heran. Sie haben dabei ihre Beobachtungen und Eindrücke zu Themenkreisen wie Mauerfall, Alltag bis Berufswahl, Karrieremöglichkeiten und Pandemie aufgeschrieben, zeigen regionale Unterschiede auf, die aufgrund der verschiedenen Sozialisationen bis heute nachwirken oder allmählich verschwimmen.

Ergänzt seien die Geschichten der beiden Buchautor*innen einer deutsch-deutschen Beziehung durch die Erzählungen von Eingewanderten und deren Nachkommen in Deutschland, die bis heute eher selten beachtet werden, obwohl sich mit dem Fall der Mauer ganz selbstverständlich auch ihre Lebensbedingungen stark veränderten.

Das Online-Projekt „Deutsche Einheit lnterkuIturell” will das ändern mit Erinnerungen, Perspektiven und Geschichten von Eingewanderten und deren Nachkommen. Das Website-Angebot bricht damit eine rein nationalgeschichtliche Perspektive auf und fördert somit die Auseinandersetzung mit der Pluralität der Erinnerungskulturen in unserer Gesellschaft.

Details zum Buch beim Mitteldeutschen Verlag | Deutsche Einheit Interkulturell




überland | 100 Jahre Kunst in Thüringen

Es bleibt zu wünschen, dass eine faszinierende Ausstellung - geprägt von Umbrüchen, Verlust und Neuanfang - ab September 2021 noch einmal für drei Monate in Recklinghausen, der Partnerstadt von Schmalkalden, zu sehen sein wird. Eine Sonderausstellung, die anlässlich der 100-Jahrfeier zum Bestehen des Freistaates Thüringen im Jahr 2020 der Kunstverein Schmalkalden organisierte und an vier Orten der Stadt präsentierte.

Der dazu gleichnamig erschienene Katalog bietet auf 260 Seiten neben detaillierten Überblicksdarstellungen zum Thema von Ulrike Pennewitz und Kai Lehmann 90 Einzelstudien zu 93 Künstler*innen aus den Bereichen Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie und Installation mit jeweils einem Kurztext und einer ganzseitigen Abbildung. Auf diese Weise wird ein breites Panorama künstlerischer Handschriften und stilistischer Ausprägungen sichtbar, das einen Bogen von 1920, nach der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar, bis in die Gegenwart schlägt, in der zahlreiche Absolventen der Bauhaus-Universität Weimar in Erscheinung treten. Der Ausstellungskatalog macht ganz große Lust auf weiteres Entdecken von Unbekanntem und dem Neubetrachten von anscheinend Vertrautem.

Auf der Website des Otto Müller Museums der Moderne erinnern Video- und Audiobeiträge an die Sonderausstellung in Schmalkalden 2020. Weiterführende Weblinks: Mitteldeutscher Verlag | Der Kunstverein „kunst heute" Schmalkalden e. V. | Otto Müller Museum der Moderne | Museum Schloss Wilhelmsburg | Kunsthalle Recklinghausen




UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Die Bergbaugeschichte im Erzgebirge geht zurück auf erste Silberfunde im Jahr 1168 in der Nähe der heutigen Stadt Freiberg. Seitdem siedelten sich Bergleute, Handwerker, Kaufleute und Abenteurer in der Region an. Insbesondere von 1460 bis 1560 war das Erzgebirge die wichtigste Quelle für Silber in Europa, das hier noch bis 1968 gefördert wurde. Neben Silber wurden auch Zinn sowie weitere metallische Rohstoffe wie Blei, Eisen, Kobalt, Uran und Nickel als auch nichtmetallische Rohstoffe wie Kalk, Kaolin, Ton und Steinkohle im Erzgebirge abgebaut.

In der Produktion von Blaufarben war das Erzgebirge bis zum 18. Jahrhundert europäischer Marktführer. Davon zeugen heute noch das Schneeberger Bergbaugebiet und das Blaufarbenwerk "Schindlers Werk". Das jüngste von ehemals fünf Blaufarbenwerken wurde 1650 von Erasmus Schindler erbaut. Es steht in Zschorlau, im Tal der Zwickauer Mulde. Der erhaltene originale Denkmalbestand repräsentiert den hier als eigenes Gemeinwesen gegründeten Hüttenstandort mit Produktionsgebäuden, Funktionsgebäuden und Wohnhäusern. Das Herrenhaus und das Magazin sind zwei der charakteristischsten und ältesten Blaufarbenwerksgebäude Sachsens.

Wie die Herstellung von Blaufarben erfolgte wurde zur zentralen Frage des Buches. Herausgegeben wurde es von Mike Haustein - u. a. auch Vorsitzender des Fördervereins »Schindlers Blaufarbenwerk e.V." sowie Preisträger des Sächsischen Landespreises für Heimatforschung. Gewürdigt wurde bei der Vergabe vor allem seine umfangreiche Aufarbeitung erzgebirgischer Montangeschichte. Einer Geschichte, die für Nachfahren, deren Vorfahren in gleich mehreren Generationen in dieser Erzgebirgsregion lebten und im Blaufarbenwerk arbeiteten, noch mal zu einer ganz besonderen wird. Dann, wenn sich beim Lesen beispielsweise herausstellt, dass Teile von Beschreibungen im Buch mit Aufzeichnungen in einer Familienchronik des Urgroßvaters von 1950 übereinstimmen - die Neugierde wächst und einem mitunter noch die Lust aufs Mitsingen des "Feieromd-Lieds" überkommt: "Feieromd" gesungen von Anton Günther 1929

Weiterführende Weblinks und Quellen rund um ein hoch interessantes Buch, welches zu einem Besuch einlädt ins Schindlerswerk, welches den einzigen in wesentlichen Teilen noch in Gänze erhaltenen Produktions- und Wohnkomplex eines ehemaligen Blaufarbenwerks darstellt: Förderverein Schindlers Blaufarbenwerk | UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří | Deutsche Stiftung Denkmalschutz | Wiki | Blaufarbenwerk | Feieromd | Details zum Buch beim Mitteldeutscher Verlag




Fakten gegen Fakes!

Meinungen über das bisher noch nie vorhandene Wissen sind vielfältiger denn je. Und noch nie wurde öffentlich so sehr über wissenschaftliche Fragen diskutiert und gestritten wie in Zeiten der Pandemie. Leider geraten dabei Tatsachen und Behauptungen oftmals genauso durcheinander wie Ursache und Wirkung. So betrachtet genau die die richtige Zeit für einen gründlichen Faktencheck von Dr. Mai Thi Nguyen-Kim mit ihrer großen Liebe zur Komplexität der gesellschaftlichen, damit gleichermaßen zu kontroversen Themen. Auf Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zeigt Dr. Mai Thi Nguyen-Kim auf, was wahr, was falsch und was plausibel ist. Sie prüft Streitfragen auf Herz und Nieren und unterfüttert sie mit Daten. Und durch den wiederholten Verweis auf "Grautöne" will sie helfen, die Hitze aus "Schwarz-Weiß-Diskussionen" mehr und mehr herauszunehmen.

Kurzum ist das zu empfehlende Buch "Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit" ein spannender und informativer Fakten- und Reality-Check und damit auch der beste "Bullshit-Detektor" für unsere angeblich postfaktische Zeit. Zur LeseProbe & Website des Droemer-Verlags mit weiteren Details.

Wissenschaft braucht Zeit. Medien berichten aktuell und haben den Anspruch, auch die Gegenseite abzubilden. Aber wie passt das zusammen? Mehr dazu in der Sendung "Breitband" | Podcast zum Nachhören | Deutschlandfunk Kultur am vom 10.4.2021

Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar und Helmholtz-Präsident Otmar D. Wiestler im Gespräch über die Rolle der Wissenschaftskommunikation und Fehler in der Corona-Pandemie: Wir müssen besser erklären, wie Wissenschaft funktioniert




Hinter den Grenzen von Wissen und Wissenschaft

So die Überschrift zu einem Abschnitt eines Buches von Dr. med. Dietmar Hansch, in dem er betont, dass selbst nüchtern-rational, technisch-naturwissenschaftlich geprägten Menschen geholfen werden kann bei der Bewältigung von Panik und Angst - so sie denn auftreten. Ängste, mit denen wir Menschen leben, waren, sind und werden immer davon abhängig sein, was wir in unserem Leben für wichtig oder gar für unverzichtbar halten. Davon, wovon wir glauben, dass wir es für unser Glück unbedingt brauchen. Je mehr wir für unverzichtbar erklären, desto größer müssen die Verlustängste sein. Ängste, wenn es vor allem ums Glück in einer Wohlstandsgesellschaft geht.

Der Autor des Buches "Panik & Platzangst selbst bewältigen" verfügt über langjährige Erfahrungen in Wissenschaft, Lehre und Behandlungspraxis. Wie Prof. Dr. Jürgen Hoyer im Geleit zu seinem Buch schreibt, ist aus der Art, wie Dietmar Hansch seine Leser*innen anspricht, vor allem der erfahrene, humanistisch geprägte Arzt und Psychotherapeut herauszuspüren, der es liebt, die Kompetenzen seiner Patient*innen zu schulen, zu entwickeln und zu stärken. Dabei immer wieder betont, dass es ganz wichtig bleibt, für das Glück vor allem auch die inneren Quellen anzuzapfen. LeseProbe | Buchangebot bei Droemer Knaur




Die Suche nach dem Glück

Sie ist so alt wie der denkende Mensch selbst. In jeder Epoche der Menschheit und allen Gesellschaftsformen hat man sich an dieser fundamentalen Frage nach dem Glück die Köpfe heißgeredet, Hunderte von Büchern geschrieben und Studien verfasst. Daraus wurden verschiedene Geistesschulen etabliert, Weltbilder geformt und Wissenschaften gegründet. Bleibt zu fragen, ob wir inzwischen dem Glück ein Stückchen näher gekommen sind oder uns noch weiter davon entfernt haben.

Werden wir den Entwicklungssprung zum wirklich glücksfähigen Menschen schaffen? Zu einem Menschen, der aufs Positive schaut und offen für die Veränderungen des Lebens ist? Der Ja zu sich selbst und seinem Umfeld sagt? Der empathisch ist, Verständnis für alle aufbringt und ein authentisches Leben lebt? Zu einem Menschen, dem das Miteinander wichtiger ist als die Trennung?

Zwölf Autoren*innen - von jung bis älter und aus ganz verschiedenen Bereichen kommend - verraten ihre jeweilige Glücksformel. Zu den "Glücksbringern" gehören Robert Betz, Stefanie Stahl, Gerald Hüther, Laura Malina Seiler, Eva-Maria und Annalena Zurhorst, Thomas Brezina, Katharina Tempel, Dami Charf, Susan Sideropoulos, Martina Leibovici-Mühlberger, Nicola Schmidt und Julia Engelmann. All ihre Geschichten machen vieles, was im Grunde oftmals längst bekannt ist, trotzdem noch mal neu bewusst. Und gerade in Zeiten der nicht enden wollenden Pandemie 2021 machen sie überdies ganz einfach Mut und laden ebenfalls zu Reisen nach Innen ein, bevor es möglich sein wird, wieder physisch die Welt neu zu entdecken. LeseProbe | Buchangebot bei Gräfe & Unzer




Herbert Köfer feiert seinen 100. Geburtstag

Herbert Köfer darf 2021 ältester aktiver Schauspieler der Welt genannt werden. Ein Mann, der damit Schauspielgeschichte schreibt.

Er ist ein Mensch, der es schon immer verstand, einen ganz bestimmten Nerv bei seinem Publikum zu treffen, denn er hat was zu sagen. Und das selbst jenen, die über Schwänke und "Kleine-Leute-Geschichten" die Nase rümpfen. Und dass Herbert Köfer die Bezeichnung "Charakterdarsteller" verdient, zeigten nicht zuletzt solche Filme wie beispielsweise "Nackt unter Wölfen" oder "Wolf unter Wölfen". Es gibt aber auch jene, die einfach nur den charmanten Plauderer, den singenden und Geige spielenden Herbert Köfer schätzen.

Der erkennbar im Herzen Kind und jung Gebliebene sortierte zu keiner Zeit seine Arbeit in Schubläden ein. Denn Vielseitigkeit im Schauspielerberuf war für ihn immer Grundvoraussetzung und Selbstverständlichkeit.

Im Buch ist u. a. auch zu lesen, dass nach der Wende ein Journalist den Einfall hatte, die beliebte Hörspielserie "Neumann, 2x klingeln" bei Radio DDR I zur "Lindenstraße des Ostens" zu erklären. Zumal es die "Neumanns" mit einer Laufzeit vom 3. Februar 1968 bis 12. Januar 1983 immerhin zu insgesamt 678 Folgen brachten und 1984 das Hörspiel sogar vom Fernsehen der DDR verfilmt wurde. LeseProbe | Eulenspiegelverlag | Herbert Köfer wird 2020 für sein Lebenswerk geehrt

Wenn man aufsteht, wird die Verbeugung tiefer

Anekdoten, bewegende Erlebnisse und legendäre Kommentare aus neun Jahrzehnten vereint in einem Buch von Heinz Florian Oertel.

Das Geleitwort dazu kommt übrigens vom einstigen Sprecher der „Aktuellen Kamera“, Klaus Feldmann, der 1955 ein Praktikum in der Sportredaktion des DDR-Rundfunks absolvierte. Für Klaus Feldmann damals eine nicht zu bezahlende "Lernzeit" an der Seite seines Mentors und Sportreporters Heinz Florian Oertel.

"HFO" war es, der bis zum Mauerfall als Rundfunkreporter und Kommentator im Fernsehen vermochte, Millionen Zuhörer und Zuschauer von ihren Sitzen zu reißen. Er war fast überall dabei, wo DDR-Sportler für Rekorde und Siege kämpften. Nicht zuletzt deshalb wird Oertel immer auch mit dem Aufstieg der DDR zur Sportnation verbunden bleiben.

17 Mal wurde er vom DDR-Publikum zum "Fernsehliebling des Jahres" gewählt. Und das nicht nur wegen seiner Emotionalität und Wortwitzes, sondern vor allem auch aufgrund seiner Fachkenntnis. Oertel legte immer ganz großen Wert auf die Pflege seines Handwerkszeuges, die Sprache, wozu ein umfangreicher Wortschatz und Gebrauch von Synonymen gehörte, den er zuweilen schmerzlich vermisst bei aktuellen Reportagen.

Heinz Florian Oertels Reportagen in Radio und Fernsehen von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sind bis heute Kult. LeseProbe | Verlag neues leben

Was mir wichtig ist

Ob sich Täve Schur auch noch dran erinnert, dass Heinz-Florian Oertel 1955 im Warschauer Stadion für ihn sang, als er zu seinem ersten Friedensfahrt-Sieg hetzte? Eins darf an dieser Stelle verraten werden: Der Radrennfahrer, Weltmeister und Friedensfahrtsieger feiert am 23. Februar 2021 seinen 90. Geburtstag. Und in folgendem Zitat verspricht er gar, auch noch Hundert zu werden:

"Der Mensch bewegt sich nicht weniger, weil er alt ist. Er wird alt, weil er sich weniger bewegt. Also: beweg dich!"

Gustav-Adolf Schur ist ein Mensch, der sich bereits als Europäer verstand, noch bevor die EU überhaupt gegründet wurde. Denn schon in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war er als Radsportler auf den Straßen des ganzen Kontinents unterwegs. Er kennt sich aus in der Welt, aber auch daheim. Was nicht verwundern mag, so er doch mehr als acht Jahrzehnte lang als Sportler und als politischer Mensch Erfahrungen sammeln konnte. Er hat sich sowohl als Volkskammer- als auch als Bundestagsabgeordneter immer für den Volkssport und die Interessen der Bürger engagiert.

In bewegten Zeiten, in denen viele nach Orientierung suchen, schreiben ihn bis heute Landsleute an. Sie bitten ihn oftmals um Rat und Meinung. Viele Antworten finden sich im Buch wieder, weil er mit dem Briefeschreiben nicht mehr nachzukommen scheint.

LeseProbe | Verlag neues leben

Langsame Entfernung

"Alles wird nichts, wenn es da nicht die eine Zeile gibt, die von selber singt." So die Schriftstellerin Gisela Steineckert, als sie u. a. in einer Talkrunde davon erzählt, wie ihr die Titelzeile zu Dirk Michealis' wohl bekanntestem Liebeslied "Als ich fortging" in den Sinn kam und von da an nicht mehr losließ. Augenblicklich schien es ihr ganz leicht zu fallen, bis dahin gerade selbst gemachte Lebenserfahrungen und Erkenntnisse in den Liedtext einfließen zu lassen, wie beispielsweise diese

"Nichts ist unendlich, so sieh das doch ein, auch die Trauer wird dann sein, schwach und klein."

Das war 1986. Dreieinhalb Jahrzehnte später darf Gisela Steineckert - wie auch ihr Freund Täve Schur - ihren 90. Geburtstag feiern. Und das mit einem weiteren ihrer inzwischen so zahlreich erschienenen Büchern.

Mit "Langsame Entfernung" wagt Gisela Steineckert eine Art Lebensrückschau, die sich bei ihr nicht nur in harmonischen Erinnerungen verliert, sondern auch Konflikte nicht ausspart oder gar kleinredet. Mitnichten.

Ein paar ergänzende Gedanken dazu noch aus der Ankündigung des Verlages: “Die tiefsten Wünsche, die bewegendsten Erinnerungen, die schönsten Augenblicke, die peinlichsten Momente, die kleinen Ziele und die großen Träume – nichts Menschliches ist Gisela Steineckert fremd und keine ihrer an- und aufrührenden Erinnerungen geht an ihren Lesern vorbei. Sie findet stets den Punkt, an dem der Leser herausgefordert wird, sodass ein anregender Dialog entsteht. Egal, ob sie über Männer, Frauen, Familie, die Liebe oder das Alter reflektiert oder sich zu politischen Ereignissen und zur Geschichte ihrer Stadt, ihres Landes verhält."

Für Gisela Steineckert - so schon mal eine frühere Aussage von ihr - bedeute Glück vor allem eins: "Ein Liebesverhältnis zu Liedern, Stimmen und Leuten."

Website des Verlages neues leben + LeseProbe || Website von Gisela Steineckert sowie Websites von nur einigen wenigen gebürtigen DDR-Sänger*innen, für die Gisela Steineckert inzwischen tausende von Liedtexten schrieb. Darunter schrieb sie allein für Jürgen Walter 400: Jürgen Walter | Dirk Michaelis | Veronika Fischer



Das Erbe sind wir

DDR-Journalisten absolvierten fast ausnahmslos ihr Studium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Einer von ihnen, dessen Bildungsweg ebenfalls an dieser Universität begann, war Michael Meyen. Leider erlebte er nach viel zu kurzer Zeit hautnah mit, wie erst ein ganzer Staat verschwand, in dem er aufgewachsen war, dann auch noch die Sektion Journalistik und schließlich auch jedwede Erinnerung an die Menschen, die dort gelehrt haben. Dass damit gleichermaßen ein Paradigma entsorgt wurde, das Forschung und Berufspraxis verbunden hatte, könnte nach Meinung Meyens auch eine Antwort auf die Medienkrise der Gegenwart liefern. Siehe auch Kapitel 10 mit der Kapitelüberschrift “Was der Abriss der Leipziger Journalistik mit der Krise der Gegenwart zu tun hat”

Der auf Mediennutzung und Journalismus-Forschung spezialisierte Kommunikationswissenschaftler erzählt in seinem Buch “Das Erbe sind wir” mit dem Untertitel “Warum die DDR-Journalistik zu früh beerdigt wurde” auch seine eigene Geschichte. Eine Lebensgeschichte, die verbunden war und ist mit den Erfahrungen des Scheiterns, insbesondere mit Debatten, die dem Scheitern im langen Herbst 1989 folgten, und mit so vielen Ideen, die seinerzeit in Leipzig produziert wurden. Denn auch damals schon ging es um Fragen, die uns bis heute beschäftigen. Beispielsweise bei Fragen danach, wie wir zusammen leben wollen, wie wir es schaffen, dass alle mitsprechen können, wenn es um ihr eigenes Leben geht. Leider sind die Antworten von einst - so Michael Meyen - schlichtweg “verschluckt worden von einer Vereinigungsmaschine, die nur einen kleinen Teil Ostdeutschlands brauchte, um genauso weitermachen zu können wie vorher”.

Michael Meyens Buch macht nicht nur neugierig auf bisher noch unbekannte Geschichten. Es regt vor allem auch dazu an, fortwährend neu über das Selbstverständnis im Journalisten-Beruf nachzudenken und es neu zu beleben.

LeseProbe | Michael Meyen im Interview 1 + Interview 2 | Herbert von Halem Verlag



Jugendradio DT64 und die DT64-Freundeskreise

Bereits 1995 schrieb Heiko Hilker etwas auf über ein Jugendradio, welches existierte wie andere Radios auch. Wenige hörten es mehr, viele weniger und manche gar nicht. Und wenn überhaupt mal über das Jugendradio gesprochen wurde, dann meist nur über einzelne Sendungen, die bedauerlicherweise dann auch noch viel zu spät am Abend ausgestrahlt wurden.

Doch eines Tages wendete sich das Blatt. Plötzlich war viel zu lesen und zu hören über das Jugendradio DT64 als Ganzes. Dabei wurde weniger über die Moderatoren und Redakteure berichtet, vielmehr aber über die Hörer*innen des Senders, die mit ganz verschiedenen Aktionen auf sich aufmerksam machten.

Wie kam es zu dieser bis dahin so außergewöhnlichen Verbindung? Wie entstand die "Jugendbewegung mit Radio"? Welche gesellschaftlichen Ursachen hatte sie? All diese geäußerten und von Heiko Hilkers längst aufgeschriebenen Gedanken wurden nun endlich nach einem Vierteljahrhundert veröffentlicht. Spät, aber vielleicht noch nicht zu spät, zumal sie aufzeigend daran erinnern, was unter bestimmten Bedingungen tatsächlich möglich war und verwirklicht werden konnte.

Inhaltsverzeichnis + LeseProbe || Interview bei RadioCorax vom 25. 1. 2021 | Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen | Das mediale Erbe | 1995

"Jugendradio DT64 - Chronik einer angekündigten Abwicklung" von Rainer Hällfritzsch und Ulrike Hemberger | Screens zu vier geteilten YouTube-Veröffentlichungen von Kai Brathuhn:




Zum Umgang mit Musik aus der DDR und den neuen Bundesländern nach 1990

An dieser Stelle sei erstmals nicht nur auf ein Sachbuch als solches, vielmehr auf eine wissenschaftliche Studie verwiesen, die der im Jahr 1990 geborene Jakob Auenmüller im 30. Jahr der Wiedervereinigung als Plädoyer vorlegt. Es ist sein Beitrag, der sicher auch aus seiner Beobachtung heraus rührt, dass in der musikwissenschaftlichen Forschung die Auseinandersetzung mit der Nachwendezeit und die Frage nach dem Umgang mit Musik aus der DDR und den neuen Bundesländern seit 1990 kaum eine Rolle zu spielen scheint.

Der Autor will seine Arbeit als ein forschendes Vorhaben verstanden wissen, welches mithilfe von Teilstudien sowohl qualitative als auch quantitative Ansätze nutzt, gegenüberstellt und miteinander verbindet; damit auch noch mal die Komplexität des Themas zusätzlich verdeutlicht.

In seinen Ausführungen verweist er übrigens neben den auf die TV-Doku Bilanz Deutschland auch auf Bücher, die u. a. auch in dieser Rubrik bereits empfohlen wurden.

Jakob Auenmüller ist sehr überzeugt davon, dass das Musikleben geradezu prädestiniert dafür wäre, in Zukunft noch stärker als aktive Plattform für Aushandlungsprozesse eines nachhaltigen gesamtdeutschen Zusammenwachsens zu fungieren.

Bei Klick auf das Buchcover öffnet sich eine kurze LeseProbe mit einem sehr ausführlichen Inhaltsverzeichnis, das allein schon neugierig machen darf. Weitere Details zum Buch sind zu finden auf der Website des transcript verlages.

Bis Januar 2021 noch abrufbar auf Arte.tv ist die Doku von Bettina Ehrhardt und Ian Pace "Wir fangen ganz von vorn an | Neue Musik für ein Deutschland nach dem Krieg"

Unabhängig von diesem Buch noch eine Anmerkung zu einem begnadeten DDR-Liedermacher. Das Porträt über den in der DDR singenden Baggerfahrer Gerhard Gundermann darf im 30. Jahr der Wiedervereinigung endlich auch die Premiere bei ARTE und der ARD als ein Stück Zeitgeschichte OHNE Schwarz-Weiß-Malerei feiern. Der 2019 vielfach preisgekrönte Kinofilm von Regisseur Andreas Dresen und Drehbuchautorin Laila Stieler ist ein Film über einen “sperrigen Helden”, der virtuos die ganze Komplexität deutsch-deutscher Geschichte von 1975 bis in die Nachwendezeit verkörpert. Besser als jede Dokumentation das vermag zu vermitteln: GUNDERMANN

Am 3.10.2020 veröffentlichte Lisa Walter auf der Website "deutsche mugge" passend zum Thema diesen Beitrag: 30 Jahre Musikgeschichte und keine Deutsche Einheit




Radiogeschichten von Wolfgang Martin

Ein Berufsstand mit überaus facettenreichen Seiten wurde bisher kaum gewürdigt: die der Musikredakteur*innen im DDR-Funk und Fernsehen. Umso erfreulicher ist es, dass Wolfgang Martin in seinem neuen Buch von solcher Arbeit erzählt, nachdem er bereits Bücher über die Musiker Dieter Birr und Holger Biege veröffentlichte.

Leser*innen nehmen Anteil an seinen Erlebnissen als Musikredakteur, Reporter und Moderator im Rundfunk der DDR, in denen er u. a. die großen Ost-Rock-Stars wie die Puhdys, die Gruppen Renft, Silly, Omega aus Ungarn oder Niemen aus Polen kennenlernte. Gleichermaßen erfahren sie vom Verfasser des Buches, welche West-Künstler*innen er für seine jeweiligen Sendereihen in den 70er Jahren bereits interviewte. Um nur einige wenige zu nennen: ABBA, José Feliciano, Status Quo oder auch Alexis Korner.

Am 10. September 2020 nun stellte Ulf Drechsel, der bis Ende 1991 Redakteur und Moderator beim „Jugendradio DT64“ war, erstmals das neue Buch von Wolfgang Martin im Berliner Kesselhaus vor. Musikalisch umrahmt wurden dabei die Gespräche und Lesungen vom Sänger Manuel Schmid am Keyboard. Am Ende der rundum gelungenen Veranstaltung - unter den Gästen im Kesselhaus befanden sich auch Dieter Birr, Georgi Gogow und Frank Schöbel - betonte Ulf Drechsel noch einmal, dass man Musik nur mit Leidenschaft machen kann. Und wenn man Leidenschaft für Musik empfindet und dann auch noch zum Radio geht, kann man auch diesen Job, diese Arbeit nur mit absoluter Leidenschaft machen, ansonsten macht es niemandem Spaß. Weder einem selbst, noch den Hörer*innen. Und wenn man dann als einer wie "Wölfi" so viele erlebte Geschichten zwischen zwei Buchdeckel bringt, ist das noch mal wie ein Déjà-vu für diese Momente der Leidenschaft. In diesem Sinne wurde noch einmal die Einladung ausgesprochen, die Chance wahrzunehmen, auf eigene Art und Weise zum im Buch Beschriebenen die eigenen Erinnerungen hinzuzufügen. Lesen Sie den vollständen Beitrag von Elisabeth Heller auf Zeitreisen-Nalepafunk ...

Erschienen ist das Buch "Wie die Westmusik ins Ostradio kam" 2020 beim Verlag "Bild und Heimat". Genau wie diese beiden Bücher:

"Stimmt, es war nicht alles schlecht, aber wer sagt denn, dass man es nicht besser machen kann. Jetzt nicht jammern, sondern machen." so Jürgen Karney im Jahr 1991 | Zitat aus seiner Autobiografie "Auf Sendung".

Genauso wie das Buch seiner Kollegin und Kultfigur aus dem Fernsehen der DDR - damals bekannt als Puppendoktor Pille. Urte Blankenstein schaut in ihrer Autobiografie "Habt ihr Kummer oder Sorgen ... " gleichermaßen zurück auf ihr so bewegtes Leben.

Weitere Details: Verlag "Bild und Heimat"


Bildlink | LeseProbe von Constanze Suhr

Der Klang des Ostens"

... so der Beginn einer Kapitelüberschrift eines Buches, welches im Zusammenhang mit der Veröffentlichung „Wie die Westmusik ins Ostradio kam“ von Wolfgang Martin empfohlen werden darf: „Der Platz – Geschichten um einen ehemaligen Todesstreifen in der Berliner Innenstadt" von Constanze Suhr.

Allein zwei weitere Kapitel aus ihrem Buch mit den Überschriften „Immer unterwegs in Sachen Amiga: Besuch bei Jörg Stempel“ oder auch „Der letzte A&R-Chef von Amiga: Besuch bei Matthias Hoffmann“ lassen zumindest ansatzweise erahnen, warum.

Die sehr interessante und berührende Publikation der KungerKiezInitiative e.V. kann in jeder Buchhandlung bestellt werden. Details: „Der Platz – Geschichten um einen ehemaligen Todesstreifen in der Berliner Innenstadt“, © Constanze Suhr (HG), ISBN 978-3-98-20856-7-8.




“Eine Prise Funkgeschichte – Fünfzig Geschichten aus hundert Jahren Rundfunk”

Die drahtlose Übertragung von Musik und Informationen ist heute allgegenwärtig. Doch der Siegeszug dieser Technologie begann erst vor hundert Jahren mit der Übertragung eines Weihnachtskonzerts vom legendären Funkerberg in Königs Wusterhausen bei Berlin.

Rainer Suckow erzählt in fünfzig unterhaltsamen Geschichten von prägenden Menschen, Ereignissen und Orten der Hörfunkgeschichte. Er lässt seine Leser den rasanten Fortschritt miterleben, der nicht nur von neuen technischen Möglichkeiten getrieben wurde, sondern vor allem vom stetig wachsenden Bedürfnis der Menschen nach Unterhaltung und aktuellen Informationen.

Gleichfalls der BuchTipp von Jörg Wagner, freier Medienjournalist und ehemaliger DDR-Rundfunkkollege | Funkhaus Berlin Nalepastraße

LeseProbe des Verlags | be.bra verlag




Thomas Oberender | Empowerment Ost

Sind die Ostdeutschen undankbar? Sehen ihre Städte heute nicht schöner aus als vor dreißig Jahren? Was ist aus den »Jammer-Ossis« geworden? Und woher kommt noch immer die Rede von »ostdeutschen Demokratiedefiziten« oder einer »alternativlosen« Politik der Treuhand?

Thomas Oberender legt in seinen Antworten die verblüffende Andersartigkeit der Wahrnehmung unserer jüngeren Geschichte in Ost und Westdeutschland offen. In seinem Buch analysiert er den sogenannten »Aufbau Ost« und beschreibt die Revolution der ostdeutschen Bürgerbewegung als eine radikale Demokratieerfahrung, frappierend visionär und realistisch zugleich. Ein Vorläufer des politischen Aktivismus von heute.

Empowerment Ost kann somit auch ein Kompass für eine Wiedervereinigung auf Augenhöhe und ein begeisternder Aufruf für die Möglichkeit einer anderen Zivilgesellschaft sein.

Darüber, dass nach über drei Jahrzehnte nach Maueröffnung die Erfahrung der Wiedervereinigung in Ost und West noch immer eine völlig andere ist, sprach u.a. auch MDR KULTUR mit Thomas Oberender: "Wie wir zusammenwachsen" + "Ostdeutsch-Sein darf nicht Zweitrangig-Sein heißen" Der gebürtige Jenaer, Intendant der Berliner Festspiele und Autor hat seine Sicht auf die Geschichte der Postwendezeit auch in einem Beitrag bei RBB Kultur dargelegt. Überdies hat Tomasz Kurianowicz den Theatermacher interviewt: "Der Westen glaubt, von der DDR nichts lernen zu können" ||| Details zum Buch bei Klett-Cotta | LeseProbe




Darf man das noch sagen? Ossi?

So die Frage der Autorin Valerie Schönian, als sie den Entwurf für das Cover ihres Buches erstmals sah. Sie musste sich entscheiden: "Lasse ich das wieder streichen? Oder nicht? Will ich das sein? Ein Ossi?"

Eigentlich haben alle genug von dem Ausdruck. Er erinnert Westdeutsche daran, dass Deutschland mal ein geteiltes Land war. Und Ostdeutsche an die Vorurteile, die ihnen entgegengebracht werden. Stellt man sich unser Denken als riesengroßen Schrank voller Schubladen vor, sind die Dinge, die im Ossi-Fach liegen, keine, die man sich gegenseitig im Freundschaftsbuch attestiert. Jammern, komischer Dialekt, Faible für Runenschriftpullis. Seit einiger Zeit auch das Tragen von Fischerhüten in Schwarz-Rot-Gold. Weiterlesen in der Lesprobe des Piper-Verlags.


Die Autorin Valerie Schönian zu ihrem Buch "Ostbewusstein"


Bei der ersten virtuellen Buchmesse 2020 spricht Ben Hänchen in aller Ausführlichkeit mit der Journalistin Valerie Schönian: Interview MDR Kultur & Audiothek

Katja Bigalke und Marcus Richter im Gespräch mit Valerie Schönian und Thomas Ahbe: Medien über Ostdeutschland: 50 Shades of Grey

Josa Mania-Schlegel im Gespräch mit Mirjam Kid: „Ostdeutsche fühlen sich davon nicht angesprochen






Weitere Anschau- & HörTipps


Helga Schuberts neuer Erzählband "Vom Aufstehen | Ein Leben in Geschichten" bei "Druckfrisch"

Katja Weise im Gespräch mit Helga Schubert bei NDR Kultur à la carte




Der Transformations­prozess in Ost­deutsch­land in Folge der Friedlichen Revolution ist 30 Jahre nach der Vereinigung um­stritten wie nie zuvor. Die um­fassen­den Um­wälzungen von Diktatur und Plan­wirt­schaft hin zu Rechts­staat, Demokratie und Markt­wirt­schaft waren beispiellos. Alle Beteiligten betraten damals Neuland.* Dazu passend auch ein AnschauTipp:

Screenshot-Link zur MDR-Doku "Was will der Osten"




360G|Medien fragt 30 Jahre nach der Deutschen Einheit: Welche Rolle spielen Medien bei der Bewertung Ostdeutschlands? Und wer gibt den Ton an?

Mehr dazu auf der Website des MDR zu "Ostdeutschland in den Medien"




DEFA-Verbotsfilme

Die Schauspielerin Jutta Hoffmann, die in einem dieser Filme eine junge Lehrerin spielte, durfte im März 2021 ihren 80. Geburtstag feiern. Zu Beginn des Filmes "Karla" sagt sie zudem etwas, was aktueller nicht sein könnte: endlich zu lehren, wie man lernt, in größeren Zusammenhängen zu denken und immer in die Tiefe zu gehen.

Zur Filmvorschau auf Progress-Online

Rainer Kruggel von radioeins erinnert an diese wunderbare Frau & Schauspielerin und an einen ihrer frühen Filme, die erst 1990 veröffentlicht wurden: "Karla" DDR|1966. Ergänzend dazu ein cre-aktiver Rückblick: FilmDVD | Kaléidoscope




Jörg Wagner: Wie die Westmusik ins Ostradio kam - Backstage mit: Wolfgang (Wölfi) Martin:




"Kinder der Wende" melden sich beim MDR in 14 Videos zu Wort: Generation Umbruch

Andreas Sandig: Interview mit Steffen Mau: Die Ost-Identität ist eine Ressource

Eine Kolumne von Valerie Schönian: Corona und der westdeutsche Blick

MDR Podcast | Schublade "Ossi" - Warum wir reden müssen




Lutz Kerschowski | Andreas Meinecke: Östlich der Elbe | Songs und Bilder von Ulrich Burchert aus den Jahren 1970 bis 2013 || Weiterführende Links: Spotify-Playlist zum Bildband | MDR Artour | Ch. Links-Verlag